Nachrichten Juni 2012


EURO 2012: Niederländische Elftal läutet letzte Phase vor EM-Beginn ein

Krakau. TM/BNR/kicker.de/NOS/NU.nl/SPON/VK. 06. Juni 2012.

Am späten Montagnachmittag ist die niederländische Fußball-Nationalmannschaft in Krakau eingetroffen, wo sie für die Zeit der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ihre Zelte aufgeschlagen hat. Seit Dienstag trainiert die Elftal auf polnischem Boden und Trainer Bert van Marwijk versucht die letzten ungeklärten Fragen bezüglich der Aufstellung in den Spielen gegen Dänemark, Deutschland und Portugal zu beantworten. Ab Samstag wird sich dann zeigen, ob das niederländische Team die hohen Erwartungen, die nicht nur im eigenen Land an das Team gestellt werden, erfüllen kann.

Gegen 15.30 Uhr startete die niederländische Delegation am Montag per Flugzeug von Amsterdam-Shiphol aus in Richtung Krakau, wo sie hofft, bis zum EM-Finale am 1. Juli bleiben zu können. In der südpolnischen Stadt war die Elftal – begleitet von mehreren dutzend polnischer Fußballfans – mit einem violetten Mannschaftsbus mit der Aufschrift „Elf Leeuwen. Miljoenen Fans. Samen zijn we sterk! “ (dt. „Elf Löwen. Millionen Fans. Zusammen sind wir stark!“) am Sheraton Kraków Hotel angekommen. Im Mannschafthotel der Oranjes 1.200 Kilometer entfernt der Heimat wird jeder Spieler ein eigenes Zimmer haben, einsam werden sich die Spieler während der Zeit im Hotel aber wohl nicht fühlen: „Du bist in einem Hotel und dann möchtest du auch etwas Geselligheit”, so der Stuttgarter Abwehrspieler Khalid Boularouz gegenüber BNR Nieuwsradio. Als Zeitvertreib sehr beliebt unter den Spielern sei Karten- und Computerspielen, Plaudern und Kaffeetrinken: „Die ganze Zeit auf meinem Zimmer sitzen ist nichts für mich“, sagt der Lissaboner Mittelfeldspieler Stijn Schaars. „Es tauchen ganz sicher auch ein paar Spiele fürs iPad oder den Computer auf. Sich gegenseitig ein bisschen herausfordern sorgt für eine gute Athmosphäre.”

Spielplan

Trotz ausreichender Freizeit soll natürlich auch die Arbeit nicht zu kurz kommen. Am Dienstag eröffnete der 60-jährige Nationaltrainer Bert van Marwijk mit Trainingseinheiten dann auch die letzte Phase der Vorbereitungen. Zuvor war die Mannschaft seit Pfingsmontag auch schon in einem Trainingslager in Hoenderloo im Südwesten der niederländischen Stadt Apeldoorn beisammen. In Krakau ließ Bondscoach Van Marwijk seine Jungs gestern zweimal im Reymanastadion des lokalen Klubs Wisla Krakow trainieren – einmal davon auch öffentlich. Dabei zeigte sich, dass die Elftal in Polen über eine große Fangemeinde verfügt, denn rund 25.000 hauptsächlich polnische Fans wollten sich das erste öffentliche Training der Oranjes nicht entgehen lassen.

Ernst wird es für die Spieler um Kapitän Mark van Bommel dann ab Samstag. Da die Niederlande gemeinsam mit Deutschland in der Gruppe B spielen, werden sie auch an den gleichen Tagen antreten. So geht es am Samstag (9. Juni) um 18.00 Uhr gegen Dänemark, am Mittwoch (13. Juni) um 20.45 Uhr gegen Deutschland und am Sonntag (17. Juni) zeitgleich mit der DFB-Auswahl , die gegen Dänemark spielt, um 20.45 Uhr gegen Portugal. Alle drei Spiele finden in der ukrainischen Stadt Charkov statt, in die sich die niederländische Delegation am Freitag aufmachen wird. Nach dem Spiel gegen die Dänen kehrt man dann nach Krakau zurück.

Ungeklärte Positionen

Bis Samstag gilt es für Bert van Marwijk noch zu klären, ob er gegen die Dänen auf seinen Innenverteidiger Joris Mathijsen vom FC Málaga zurückgreifen kann. Ebenfalls ungeklärt ist bis jetzt, ob der Eindhovener Jetro Willems zurzeit die beste Option für die Position in der linken Defensive darstellt. Fragezeichen gibt es darüberhinaus noch bei der Wahl des Spielmachers. Hier muss sich der Bondscoach bis Samstag entscheiden, ob er lieber Wesley Sneijder (Inter Mailand) oder Rafael van der Vaart (Tottenham Hotspur) zentral hinter die Spitze stellen will. Gegen Nordirland begann Sneijder, Van der Vaart wurde nur eingewechselt.

Beantwortet scheint hingegen die Stürmerfrage: Van Marwijk hatte die Qual der Wahl zwischen Robin van Persie (FC Arsenal) und Klaas Jan Huntelaar (FC Schalke 04) – beides Torschützenkönige ihrer jeweiligen Ligen. Im 4-2-3-1-System der Niederländer war jedoch nur für einen von ihnen Platz. Nach dem letzten Vorbereitungsspiel vor der Euro gegen Nordirland war sich Bert van Marwijk jedoch sicher: „Wir beginnen gegen Dänemark mit Robin van Persie.“

Van Persie hatte bei dem deutlichen 6:0 gegen Nordirland zwei Tore geschossen und so seinem Trainer überzeugt. In den weiteren Testspielen in diesem Jahr konnten die Oranjes keine am Ende derart deutliche Leistung zeigen wie gegen die Nordiren: So gewann man am 30. Mai zwar mit 2:0 gegen die Slowakei, verlor zuvor am 26. Mai jedoch mit 1:2 gegen Bulgarien und vier Tage zuvor auch mit 2:3 gegen Bayern München (NiederlandeNet berichtete). Das große Duell am 29. Februar gegen England gewann die Elftal davor dann aber wiederum mit 3:2.

Chancen auf den EM-Titel

Bei vielen Beobachtern zählen die Niederländer aufgrund ihrer guten Offensive als Mitanwärter auf den EM-Titel. Im Vergleich der Defensiven jedoch sieht das niederländische Team neben den Deutschen und Spaniern eher schlecht aus. Wenig Hoffnung äußert auch der ehemalige Bondscoach Marco van Basten. In einem Interview mit dem Kicker: „Ich bin kein Prophet, doch ich habe schon ein wenig Angst, dass die Niederlande ihren Höhepunkt überschritten haben“. Man habe sich zuletzt bei der WM 2010 und der EM-Vorbereitung gut präsentiert, „aber nun häufen sich die Probleme: viele Verletzungen, viele Akteure sind nicht in Hochform“, so der Europameister von 1988. Favorit ist für Van Basten das deutsche Team von Trainer Joachim Löw. Die Spanier hingegen seinen müde. „Sie haben zuletzt viel gewonnen“. Damit gibt sich Marco van Besten ähnlich deutschenfreundlich wie zuletzt auch der ehemalige Oranje-Keeper Hans van Breukelen, der versöhnende Worte für die traditionellen Fanrivalitäten zwischen nbeiden Ländern fand und dem deutschen Team einen Liebesbeweis unterbreitete: „Ich liebe eure Nationalmannschaft“ sagte er gegenüber 11Freunde (NiederlandeNet berichtete).

Mehr zum deutsch-niederländischen Fußballverhältnis auch in unserem Dossier Fußballrivalitäten.