Nachrichten Juni 2012


ANTILLEN: Droht ein Volksaufstand auf Bonaire?

Bonaire. AF/ND/RNW/VG/VK. 05. Juni 2012.

Die Bewohner der Antilleninsel Bonaire sind unzufrieden mit der Rolle der Niederlande auf der Insel. Vergangenen Samstag warnte die „Aktionsgruppe Besorgte Bonairianer“ in einem Brief, die Situation auf Bonaire drohe außer Kontrolle zu geraten. Ein Volksaufstand gegen die niederländischen Machthaber wie 1969 auf der Nachbarinsel Curaçao sei nicht mehr auszuschließen, so ihr Wortführer Cedric Soleana.

Bonaire ist geographisch Teil der kleinen Antillen, politisch jedoch zählt die Insel mit ihren rund 15.000 Einwohnern als ‚besondere Gemeinde‘ zu den Niederlanden. Erst vor zwei Jahren war die ehemalige niederländische Kolonialinsel zur eigenständigen Gemeinde ohne provinziale Abhängigkeit innerhalb der Niederlande geworden (NiederlandeNet berichtete).

Trotz dieser Zugehörigkeit zu den Niederlanden, fallen die Sozialleistungen auf Bonaire deutlich geringer aus als in den Niederlanden selbst, so einer der Vorwürfe der Actiegroep Bezorgde Bonairianen. Diese Ungleichheit in der niederländischen Verfassung festzuschreiben, sei „unrechtmäßig und stehe im Widerspruch zu den Menschenrechten“.

„Wir müssen frei sein.“

Weiteren Unmut erzeugen die Einführung des US-Dollar vor einem Jahr sowie die Erhöhung der Steuern, wodurch das Leben für viele der ursprünglichen Inselbewohner unbezahlbar geworden ist. „Meinem Volk steht das Wasser bis zum Hals. Ich weiß von Kindern, die abends vor Hunger weinend ins Bett gehen. Am folgenden Tag gehen sie dann weinend zur Schule. Wir haben die vielen Versprechungen satt. Sie können es als Drohung auffassen, aber die Zeit des Redens ist vorbei“, so Cedric Soleana von der Actiegroep Bezorgde Bonairianen.

Hinzu kommt, dass immer mehr Niederländer nach Bonaire emigrieren. Ihre Lebensweise steht häufig in starkem Kontrast zu der oft in Armut lebenden ursprünglichen Inselbevölkerung: Das stereotypische Bild der Niederländer ist auf der Insel geprägt von reichen Neu-Insulanern, die Luxusvillen bewohnen, mit ihren schweren Geländewagen über die Straßen rasen und sich um die lokalen Sitten und Gebräuche nicht besonders kümmern. Zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen drohe deshalb, große Feindschaft zu entstehen; die Unruhe auf Bonaire könne sich auch gegen die Niederländer auf der Insel richten, warnte Soleana.

Zur Beruhigung der Lage, empfahl Soleana ein Referendum, welches der Bevölkerung die Möglichkeit bietet, über die Beziehung der Insel zu den Niederlanden neu zu entscheiden. „Ich stehe für Unabhängigkeit“, erklärte Soleana. „Wir müssen frei sein. Doch wenn die Volksabstimmung etwas anderes ergibt, werde ich das akzeptieren.“

„Es gibt keine sozialen Unruhen oder Proteste auf Bonaire“

Inzwischen hat sich die Inselverwaltung zu den Vorwürfen geäußert, die Verantwortung jedoch von sich gewiesen. Die Bekämpfung der Armut auf Bonaire sei in den letzten anderthalb Jahren tatsächlich nicht gelungen. Die Ursache liege aber am neuen Steuersystem und der Einführung des Dollars. Außerdem sei die finanzielle Unterstützung aus Den Haag zu gering. Gleichzeitig betonte die Verwaltung, dass kein Volksaufstand drohte. Ein Sprecher der Inselverwaltung erklärte heute gegenüber der niederländischen Zeitung Nederlands Dagblad: „Es gibt keine sozialen Unruhen oder Proteste auf Bonaire, die man als Bedrohung der öffentlichen Ordnung auslegen könnte.“ In der politischen Debatte auf der Insel gehe es einfach „manchmal sehr lebendig“ zu.