Nachrichten Januar 2012


TANZ: Choreograph Rudi van Dantzig gestorben

Amsterdam. AF/het nationale ballet/NRC/VK. 19. Januar 2012. 

Der niederländische Choreograph Rudi van Dantzig ist heute Morgen im Alter von 78 Jahren an einem Krebsleiden verstorben. Er verhalf dem niederländischen Ballett zu nationaler und internationaler Größe und galt als einer der wichtigsten niederländischen Tanzregisseure.

Van Dantzigs Tod wird in den niederländischen Medien als ein enormer Verlust für die niederländische Tanzwelt bezeichnet. „Rudi war eine der wichtigsten Säulen für den Tanz in den Niederlanden“, äußerte sich der niederländische Balletttänzer Han Ebbelaar, der häufig mit Rudi van Dantzig zusammengearbeitet hat, heute gegenüber der Zeitung Volkskrant. „Er hatte ein enormes Gefühl für Stil, Farbe und Ästhetik. Das war seine größte Stärke.“

Van Dantzig begann seine Karriere 1950 als Tänzer und leitete gut 20 Jahre, von 1969 bis 1991, das renommierte Nationale Ballet in Amsterdam. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, wurde zum Ritter im Orden von Oranje Nassau geschlagen, und machte sich auch im Ausland einen sehr guten Namen.

Van Dantzigs Kollege und langjähriger Freund, der Choreograph Hans van Manen, erklärte „Er hat die Tanzkunst in unserem Land populär gemacht […]. Ohne ihn wäre het Nationale Ballet nicht das geworden, was es jetzt ist. Van Manen und Van Dantzig gelten als die zwei großen Pioniere des niederländischen Theatertanzes, denn ihre Ballettinszenierungen waren schlichtweg anders: Analytisch, kritisch, eigensinnig und doch hoffnungsvoll. Während Van Manen beinahe wissenschaftlich vorging, inszenierte Van Dantzig seine Stücke sehr gesellschaftskritisch; er schuf ein erzählerisches Ballett, darüber „wie das Leben sein könnte und wie es tatsächlich ist“, so formulierte er es einmal selbst, und ergänzte sofort: „Nein, so pessimistisch bin ich nicht. Wenn man genau hinsieht, erkennt man in meinen Stücken immer etwas Hoffnungsvolles, wie es sein könnte. Eine Art Lichtschimmer.“

1955 erarbeitete van Dantzig seine erste Choreographie: Nachteiland. Er schuf in seinem reichen Arbeitsleben mehr als 50 Ballettstücke, die auf der ganzen Welt aufgeführt wurden. Zu den erfolgreichsten und bekanntesten Arbeiten gehören „Vier letzte Lieder“, „Monument voor een gestorven jongen“, „Onder mijn voeten“ und seine Inszenierungen von „Romeo und Julia“ sowie „Der Schwanensee“.

Rudi van Dantzig war ein Multitalent. Neben seiner Ballettkarriere machte er sich einen Namen als Schriftsteller. 1986 erschien sein Debütroman Voor een verloren soldaat, eine Autobiographie, in der er seine Kindheitserinnerungen verarbeitete. Er schrieb darin über seine schwierige Kindheit und seine homoerotischen Neigungen. Seine Erlebnisse verarbeitete er auch in vielen Ballettstücken, etwa in De Disgenoten oder Nachteiland. „Das Ballett war meine Rettung. Bis zu meinem 40. Geburtstag hatte ich Albträume und oft keine Lust mehr zu leben. Ohne den Tanz wäre ich ein Sonderling geworden“, so Van Dantzig 1983.

Mehr zum Leben von Rudi Dantzig erfahren Sie auch in unserem Personen A-Z.

Und mehr zum Thema „Tanz in den Niederlanden“ erfahren Sie in unserem Dossier Tanz, Theater, Kabarett.