Nachrichten Februar 2012


WIRTSCHAFT: Niederlande befinden sich in einer Rezession

Den Haag. TM/CBS/NOS/VK. 17. Februar 2012.

Zum zweiten Mal in nur kurzer Zeit ist die niederländische Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen nicht gewachsen, wodurch man offiziell von einer Rezession spricht. Zuletzt hatte man im Jahr 2009 durch die ersten Folgen der Finanzkrise einen solchen Abschwung erlebt. Laut Zahlen, welche die niederländische Statistikbehörde CBS am Mittwoch präsentierte, kam es im letzten Quartal von 2011 zu einem Minus von 0,7 und im dritten Quartal zu einem negativen Wert von -0,4 Prozent. Zusätzlich zu den bereits zu Beginn der Amtszeit der aktuell regierenden liberal-konservativen Regierungskoalition beschlossenen Einsparungen im Gesamtumfang von 18 Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode, will die niederländische Regierung den jetzt präsentierten Negativzahlen mit weiteren Einsparungen entgegenwirken.

Im vergangenen Halbjahr, so das CBS, gab es im Ausland weniger Nachfrage nach niederländischen Produkten, wodurch der Export einbrach. Aber auch die Binnennachfrage der Konsumenten im Inland ging – vor allem bei großen Ausgaben wie Autos oder Möbeln – deutlich zurück. Hinzu kamen geringere Ausgaben des Staates von -0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum; das erste Mal seit 2005 wurde wieder weniger als im Jahr zuvor ausgegeben. Das CBS verbreitet in seinem Bericht allerdings auch Hoffnung, da das Konsumentenvertrauen insgesamt nicht sank und auch andere wichtige Indikatoren stabil blieben. Zudem stieg die Anzahl der Jobs im vierten Quartal 2011 um 19.000 (36.000 in ganz 2011). Die Arbeitslosenzahlen hingegen legten im Januar jedoch leicht zu und liegen jetzt bei rund sechs Prozent.

Der jetzige Wirtschaftsabschwung ist der insgesamt vierte seit den 1930er Jahren. 2009 hatte man zuletzt ein großes Minus von 3,5 Prozent zu verzeichnen, diese Rezession war allerdings auch nur von relativ kurzer Dauer. Zu Beginn der 1980er Jahre kämpfen die Niederlande mit einer hohen Inflation, einer stark angestiegenen Arbeitslosigkeit und einer hohen Staatsverschuldung. Das Minus lag damals zwischen -0,8 Prozent im Jahr 1981 und -1,2 Prozent im Jahr 1982. Nach der Wiederaufbauphase infolge des zweiten Weltkrieges gab es im Jahr 1958 eine leichte Rezession, bei der das Bruttoinlandsprodukt mit einem Prozentpunkt sank. Mit der bisher stärksten und längsten Abschwungphase waren die Niederlande in den 1930er Jahren konfrontiert. Ihren Tiefpunkt erreichte diese dabei 1938, als das Maximum von -3 Prozent Wirtschaftswachstun konstatiert wurde.

In der jetzigen Lage können die Niederlande als kleine Exportnation und den dadurch gegebenen wirtschaftlichen Abhängigkeiten die eigene Ökonomie nur begrenzt aus eigener Kraft beeinflussen. Nur wenn es zu einem schnellen Weg aus der Schuldenkrise kommt, kann das Polderland ökonomisch schnell wieder wachsen. Ansonsten kann es wiederum zu einer lang anhaltenden Phase der Rezession kommen. Wenn das Land jetzt nicht zusätzlich einspart, so die Ansicht von Finanzminister Jan Kees de Jager, dann untergräbt dies das Vertrauen in die Wirtschaft. „Und wenn du das Vertrauen verliert“, so De Jager am Mittwoch vor Studenten der Erasmusuniversität in Rotterdam, „setze dann mal ein paar Ziffern vors Komme der 0,7 Prozent“. Der Finanzminister ist sich sicher, dass Sparmaßnahmen seitens des Staates für ähnlich gute Erfolge wie bereits in den 1980er Jahren sorgen können, als starke Einschnitte auch zu schnellem Wachstum führten.

Mit seiner Rede vor den Rotterdamer Studenten präsentierte der niederländische Finanzminister einen ersten Vorgeschmack auf die für Anfang März geplanten Spitzengespräche zwischen Akteuren der drei Duldungspartner von VVD, CDA und PVV. Die aktuelle Minderheitskoalition will versuchen, einem langfristigen Minus durch weitere Einsparungen in Höhe von sechs bis zehn Milliarden Euro entgegenzuwirken. Dazu werden sich Ministerpräsident Mark Rutte (VVD), Wirtschaftsminister Maxime Verhagen (CDA) sowie Duldungspartner Geert Wilders (PVV) in den ersten drei Märzwochen im Catshuis – der Amtswohnung des Premiers in Den Haag – zu Beratungen treffen und darüber verhandeln, an welchen Stellen der Bevölkerung zusätzliche Einschnitte zuzumuten sind. Bis dahin haben sich die drei Parteien offiziell eine Funkstille über mögliches Einsparpotential auferlegt. Wie jedoch bereits deutlich wurde, werden es zähe Verhandlungen mit einem offenen Ende werden. Von einem breit getragenen Kompromiss bin hin zum Fall des Bündnisses ist alles möglich und denkbar.