Nachrichten Februar 2012


WIRTSCHAFT: Zwei neue Managerinnen in niederländischen Großunternehmen

Amsterdam. RH/FOCUS/rtl.nl/RP/stern/TR/VK/Zeit. 02. Februar 2012.

In den niederländischen börsennotierten Unternehmen zählt man nun wieder elf Frauen in den Spitzenpositionen. Die Firmen Randstad und Arcadis gehören nun zu weiteren niederländischen Unternehmen, die neben vielen Männern auch wieder jeweils eine Frau zu ihren Vorstandsmitgliedern zählen können. Noch nicht genug für die niederländische Regierung, die 2010 offiziell eine Frauenquote eingeführt hat. Bis zum Jahr 2016 sollen rund 30 Prozent der Vorstandsmitglieder großer Firmen weiblich sein. Das entspräche rund 60 Frauen. Man hat also noch einen weiten Weg vor sich.

Für den niederländischen Personaldienstleister Randstad tritt Linda Galipeau, eine 48 jährige Kanadierin in den Vorstand ein. Galipeau begann ihre Laufbahn 1995 bei Randstad. Sie war bereits Präsidentin des Unternehmens in den Vereinigten Staaten und elf Jahre Chefin der kanadischen Zweigniederlassung. Im internationalen Ingenieurunternehmen Arcadis wird die 46 jährige Stephanie Hottenhuis Geschäftsführerin im Verwaltungsrat. Hottenhuis arbeitet ebenfalls seit 1995 bei Arcardis und konnte bereits in Erfahrungen bei den Zweigniederlassungen in Asien sammeln.

Top-Unternehmen Randstad & Arcadis

Bereits seit 50 Jahren spielt der führende Personaldienstleister Randstad mit Hauptsitz in Diemen bei Amsterdam eine wichtige Rolle für den niederländischen Arbeitsmarkt. Auch in Deutschland kann der Konzern sich mit rund 63.000 Mitarbeitern und 500 Niederlassungen, sowie einem Umsatz von 1,73 Milliarden Euro (2010) als führender Personaldienstleister bezeichnen. Die Firma Arcadis mit rund 19.000 Mitarbeitern in den Niederlanden, ist ein erfolgreiches niederländisches Ingenieurunternehmen, das sich mit städtischer Infrastruktur, Gebäuden und Umwelt beschäftigt und jährlich circa 2,3 Milliarden Euro Umsatz macht. Beide Unternehmen zählen zu den großen, weltweit aktiven Großkonzernen.

Im Jahr 2010 beschloss die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments ein Gesetz über die Frauenquote von mindestens 30 Prozent in Aufsichtsräten und Vorständen in Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Diese Quote soll bis 2016 erreicht werden. Bis jetzt arbeiten in den Niederlanden rund fünf Prozent Frauen in hohen Unternehmenspositionen. Erst im Januar trat Carla Smits, die im Vorstand des niederländischen Telekommunikations-Unternehmens KPN saß, ihren Rückzug an. Auch die niederländische Planungs- und Ingenieursgesellschaft Grontmij verlor die Vorstandsvorsitzende Annemieke Nijhof bereits nach zwei Monaten wieder. Während man sich in Deutschland noch um eine Frauenquote streitet, hat die niederländische Regierung sie bereits eingeführt, dabei gibt es gute Argumente den Frauenanteil in Betrieben zu fördern.

Studienergebnisse beweisen: Frauen an der Spitze versprechen Erfolg

Mit Frauen in der Führungsetage wirtschaften Unternehmen erfolgreicher, heißt es in einer Untersuchung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young bei den 300 größten börsennotierten Konzernen Europas. Sie verglich die Jahre 2005 und 2010 und lässt das Folgerung zu, dass – zumindest rein statistisch gesehen – Frauen an der Unternehmensspitze ein eindeutiger Erfolgsgarant sind. Besonders groß ist der Erfolg bei Umsatz und Gewinn, bilanziert die Studie. Selbst wenn mindestens eine Frau erst bis 2010 in die frühere Männerdomäne kam, wirkte sich das spürbar auf den Gewinn der untersuchten Firmen aus. Das Ergebnis der Studie ist, dass Frauen in der Unternehmensspitze das Team positiv beeinflussen. Man sehe einen Grund dafür in dem bei Frauen für gewöhnlich besseren „sozialen Gespür“, das sich positiv auf die Gruppenprozesse auswirke, sagen die Verantwortlichen der Studie.

US-Wissenschaftler zeigten Mitte vergangenen Jahres auch, dass der Erfolg einer Gruppe nicht vom Intelligenzquotienten ihrer einzelnen Mitglieder abhängt, sondern von der gemeinsamen Intelligenz. Kommen mehr Frauen in das Team, schneidet die Gruppe sogar noch besser ab. Auch eine Analyse des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hatte Ende 2011 gezeigt, dass ein hoher Frauenanteil mehr motivierte, leistungs- und aufstiegsorientierte Mitarbeiterinnen anziehe.

Ana-Cristina Grohnert, die Personalchefin bei Ernst & Young für den deutschsprachigen Raum, gibt zu bedenken, dass Frauen in Führungspositionen meist die Folge eines Umdenkens seien. Stelle sich ein Konzern nach der Wandlung modern, aufgeschlossen, flexibel, zukunftsorientiert, nachhaltig und verantwortungsbewusst auf, sei das generell gut fürs Geschäft - und Frauen an der Spitze seien nur ein Indiz des erfolgreichen Wandels. „Es geht um Vielfalt - es geht um den Mix“, erklärt Grohnert. „Männliche oder weibliche Monokulturen sind in unserer heutigen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts überholt - und hoffentlich auch bald in den Führungsetagen der Wirtschaft“, hofft die Managerin.

Deutschland muss weiterhin aufholen

Auch veröffentlichte auch das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie zu diesem Thema. Darin heißt es, die Hoffnung auf mehr Frauen in deutschen Vorständen habe sich nicht erfüllt. Ende 2011 waren nur 28 von insgesamt 943 Vorstandsposten der Top-200-Unternehmen mit Frauen besetzt. Damit liege der Frauenanteil in der Führungsetage unverändert bei etwa drei Prozent, sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst. In Deutschland herrsche nach wie vor „eine männliche Monokultur“. Zu Vergleich: In Irland sind mit 28 Prozent beinahe ein Drittel der Vorstandvorsitzenden Frauen. Dort haben 83 Prozent der untersuchten Betriebe mindestens eine Top-Managerin in ihren Reihen. Bei 200 umsatzgrößten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors gebe es in Deutschland nur eine weibliche Vorstandsvorsitzende. In den deutschen Aufsichtsräten der 200 umsatzstärksten Konzerne dagegen sind Frauen deutlich öfter vertreten. Hier ist ein leichter Zuwachs zu verzeichnen.