Nachrichten Februar 2012


SPORT: Niederländer spekulieren über Elf-Städte-Tour

Leeuwarden. TM/TR/VK. 01. Februar 2012.

Kaum liegen die Außentemperaturen in den Niederlanden einige Tage nacheinander unter dem Gefrierpunkt, findet eine altbekannte Frage wieder seinen Weg in die Öffentlichkeit: „Wird es in diesem Jahr eine Elfstedentocht (dt. Elf-Städte-Tour) geben?“ Das traditionelle 200 Kilometer lange Eislaufsport-Ereignis, welches seit seiner ersten Ausrichtung im Jahr 1909 witterungsbedingt nur ganze 15 mal ausgerichtet werden konnte, fasziniert dieser Tage wieder einmal die gesamte niederländische Nation. Die Tour durch elf Städte in der Provinz Friesland ist reales Event und Mythos zugleich.

Es gibt nur eine Sache, die schöner als die Elfstedentocht ist, und das ist das über sie spekulieren. Dies schrieb Bert Wagendorp, Kolumnist der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant am gestrigen Dienstag. „Elfstedentocht heißt unser gemeinsames Glück, der nationale Orgasmus“, so Wagendorp in seinem die niederländische Nation analysierenden Artikel. 14 Jahre ist es mittlerweile her, seitdem der legendäre Wettkampf auf dem Eis zum letzten Mal stattfand. Jahr für Jahr wurden es mehr Skeptiker, die prophezeiten, dass die Niederlande durch die globalen Klimaveränderungen vielleicht nie mehr in den Genuss eines zugefrorenen Kanal- und Grachtennetzes in der nördlichen Provinz Friesland kommen könnte. Mit jedem Jahr ohne die Tour wurde die Legende mystischer.

Doch die jetzigen paar Tage mit klirrend-kalter Luft machen noch keine elfstädtetour möglich: „Wir sind sehr froh, dass es Eis gibt, und wir finden es wunderbar, dass auf Natureis mit  Schlittschuhen gelaufen werden kann. Aber die royonhoofden kommen noch nicht zusammen“, sagt Immie Jonkman, Sprecherin der Koninklijke Vereniging De Friesche Elf Steden Tocht, des traditionellen Organisators der Tour. Mit rayonhoofden sind die Vorsitzenden der 22 Abschnitte gemeint, in welche die Tourstrecke traditionell aufgeteilt ist. Sie messen täglich die Eisdicke und kommen dann zusammen, wenn das Eis auf der gesamten Route die Mindestanforderungen erfüllt. Um das Rennen austragen zu können, bedarf es aber einer durchgängigen Eisdecke von mindestens 15 cm Stärke. Aktuell gibt es jedoch noch viele Löcher auf der Elf-Städte-Route.

Ungeachtet der Eisdicke ist ein möglicher Wettbewerb in diesem Jahr vor allem bei den Wettbüros ein Thema. Auf einem Online-Wettportal seinen am heutigen Morgen bereits mehrere hundert Wetten abgeschlossen worden. Durchschnittlich wird ein Betrag von 10 Euro eingesetzt und im besten Fall – nämlich wenn es wirklich eine Tour geben würde – winken dem Gewinnern 2,65 Euro für jeden eingesetzten Euro. Laut dem Meteorologen Marco Verhoef vom Büro Weerplaza liegt die Wahrscheinlichkeit für das Eisspektakel aktuell jedoch bei lediglich 25 Prozent. „Wenn ich jetzt ja oder nein sagen müsste, dann sage ich nein“ spekuliert Verhoef in de Volkskrant. Eine lange Minusgradperiode mit starkem Frost, die es für eine durchgängige und dicke Eisdecke benötigt, sei momentan nicht vorherzusagen. Zumindest bis zum kommenden Wochenende sollen die frostigen Temperaturen jedoch vorerst noch anhalten. Laut Weerplaza prognostizieren europäische und amerikanische Wettermodelle für die kommenden Tage momentan unterschiedlich: „Laut dem einen friert es vorläufig noch weiter, selbst bis weit in die kommende Woche. Aber auf anderen Modellen wird es nach dem Wochenende schon wieder wärmer“, so Wettermann Verhoef. Es bleibt also weiterhin spannend, ob es seit 1997 erstmals wieder zu einer Städtetour auf dem Eis kommen wird.

Mehr zur Elfstedentocht von 1963 finden Sie in unserem Kurzbeitrag In der Hölle des Nordens.

Mehr zum niederländischen Volkssport Eislaufen im Text Eislauffieber in den Niederlanden.