Nachrichten September 2011



LITERATUR: Hella S. Haasse mit 93 Jahren verstorben

Amsterdam. TM/TR/VK. 30. September 2011.

Wie der Verlag Querido heute Mittag meldet, ist die bekannte niederländische Schriftstellerin Hella S. Haasse gestern Abend in ihrem Wohnort Amsterdam nach kurzer Krankheit verstorben. Haasse, deren Bücher in insgesamt 19 Sprachen übersetzt wurden, wäre im Februar 94 Jahre alt geworden. Mit dem Tod von Hélène Serafia Haasse, Haasses Geburtsnamen, verlieren die Niederlande einer ihrer bekanntesten und beliebtesten Schriftstellerinnen. Haasse wurde sowohl von einer großen Leserschar, als auch von bei vielen Literaturkritikern und -wissenschaftlern bewundert und gelobt.

Bekannt wurde Haasse in den Niederlanden wohl vor allem durch ihre erste Novelle Oeroeg (dt. Der schwarze See) aus dem Jahr 1948, welche lange Jahre Pflichtlektüre an vielen niederländischen Schule war. Das Buch beschreibt – wie auch andere von Haasses Büchern – die ehemalige Kolonie Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien, in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Hella S. Haasse selbst stammte von dort. Sie wurde am 2. Februar 1918 in Batavia, dem heutigen Jakarta, geboren.  Schon Haasses Vater war Schriftsteller und auch ihre Mutter betätigte sich künstlerisch als Pianistin. Der Vater schrieb unter dem Pseudonym W.H. van Eemlandt und arbeitete hauptberuflich als Finanzinspektor bei der niederländischen Kolonialregierung. Haasse verbrachte die meiste Zeit ihrer Jugend in Niederländisch-Indien und ging dort von der Grundschule bis zum Gymnasium zur Schule.  Da ihre Mutter aus gesundheitlichen Gründen nach Europa zurückkehren musste, wohnte sie von 1924 bis 1928 zusammen mit ihrem Bruder kurz bei ihren Großeltern in den Niederlanden.

1938 ging Haasse dann alleine zum Studium auf die Theaterschule nach Amsterdam und tauchte dort in das Studentenleben der Besatzungszeit ein. Trotz der politischen Umstände blieb sie vor allem an der Kunst interessiert, trat 1940 einer Theatergruppe bei und schrieb ihre ersten Gedichte. 1943 schloss die Autorin ihr Studium ab und brachte zwei Jahre später ihren ersten Gedichtband heraus. Der große Erfolg stellte sich kurz nach dem Erscheinen von Oeroeg ein, welches 1993 zudem als Vorlage für eine erfolgreiche Literaturverfilmung diente. Das künstlerische Oevre von Hella S. Haasse besteht aus Gedichtbänden, Essays, Theaterstücken, Novellen und Dramen. Sämtliche Werke sind neben der niederländischen Sprache auch auf Englisch, Französisch und Deutsch erschienen, was Haasse zu einer der am meisten übersetzten Autorinnen der Niederlande machte.

Der Erfolg von Hella S. Haasse zeigt sich vor allem auch in den unzähligen Auszeichnungen, die sie zeit ihres Lebens erhalten hat: Darunter für das Gesamtwerk zuletzt 2004 der Prijs der Nederlandse Letteren (dt. Preis der Niederländischen Literaturwissenschaft), 1984 der P.C. Hooftpreis und 1981 der Constantijn Huygenspreis. Im Jahr 1995 wurde Haasse zudem das Ehrendoktorat an der Katholischen Universität im belgischen Löwen verliehen.

Der Tod von Hella S. Haasse hat in den Niederlanden landesweit Trauer hervorgerufen. Ihre Beisetzung wird im engsten Kreis stattfinden – die Verstorbene hatte vor ihrem Tod selbst gesagt, dass sie sich keine öffentliche Abschiedsfeier wünscht. Wohl wird es vom Verlag Querido, mit dem sie über 65 Jahre verbunden war, in einigen Monaten eine öffentliche Zusammenkunft geben, in der die Autorin und ihr Werk im Mittelpunkt stehen werden.

Mehr zur Person Hella S. Haasse in unserem Personen A-Z

Zu Leben und Werk von Hella S. Haasse besteht seit drei Jahren zudem ein virtuelles Museum.