Nachrichten September 2011



KULTUR: Niederländischer Animationsfilm hat Chance auf den Oscar

Utrecht. AKS/AD/filmfestival.nl/RNW/VK. 26. September 2011

Niederländische Filmproduktionen kommen im Ausland generell gut an. Auch niederländische Animationsfilme bilden dabei keine Ausnahme. So gewann 2001 beispielsweise die niederländische Produktion Father & Daughter – eine animierte Geschichte über Vater und Tochter, die auf einem Deich voneinander Abschied nehmen – den Academy Award, besser bekannt als Oscar. Mit The Monster of Nix hat nun ein weiterer niederländischer Animationsfilm die Chance auf den begehrtesten Filmpreis der Welt.

Das Animationsmusical The Monster of Nix erzählt die Geschichte des 10-jährigen Jungen Willy, den es in das kleine Dörfchen Nix verschlägt. Nix wird von einem Monster bedroht, das nicht nur Willys Großmutter, sondern auch Teile des idyllischen Örtchens selbst verschlingt. Willy entschließt sich, gegen das Monster zu kämpfen und gerät dabei in ein bizarres Universum, in welchem Schauermärchen in Eiern aufbewahrt werden. Der niederländische Regisseur Rosto, dessen Studio Rosto A.D. hauptverantwortlich für die Produktion ist, umschreibt seinen neuesten Film als „existenzialistisch animiertes Musicalmärchen.“ Und in der Tat ist der Film alles andere als „typisch“. War er zunächst als kleines Zwischenprojekt gedacht, entwickelte der Animationsstreifen sich bald zu einem Vorhaben mit „un-niederländischen Proportionen“. Bei der Umsetzung der Märchengeschichte, die Rosto für seinen Sohn Max kreierte, wirkten rund hundert Menschen mit. Entstanden ist dabei „ein Film mit einem Kaliber, welches man selten in unserem Land findet“, wird Rosto in der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant zitiert.

Detailreichtum, Genauigkeit und ein Hang zur Idylle dominieren das 30-minütige Musical. So werden in Nix beispielsweise keine Tiere in Käfigen gehalten oder getötet. Der Dorfmetzger ist daher auch ein „vegetarischer Metzger“, dessen Messer sich vom Schneiden der Kirschen, Tomaten und Granatäpfel rot färbt. „Ich wollte, dass das Dorf Nix kein künstliches, eindimensionales Disneydorf wird, sondern ein Ort, an dem ich selbst sterben wollen würde“, erklärt Rosto sein Vorgehen. Alles in Nix musste stimmen. Der Regisseur legte bei der Herstellung des düstergehaltenen und bizarr wirkenden Films daher nicht nur Wert auf die tiefgehende Story, sondern besonders auch auf die Animationstechnik: Der Film kombiniert das schauspielerische Können lebender Akteure mit 3D-Animationen und gemalten Hintergründen. Darüber hinaus wird entgegen der üblichen Handhabe in Animationsfilmen in The Monster of Nix sehr viel gesprochen. Ein Umstand, der für die erste Aufmerksamkeit auf den Film sorgte. Denn neben dem bekannten Regisseur und Schauspieler Terry Gilliam, in Deutschland vor allem berühmt für sein Mitwirken bei Monty Python, konnte Rosto auch den populären Sänger und Schauspieler Tom Waits als Sprecher für den englischsprachigen Film gewinnen. Tom Waits spielte dann auch für die musikalische Untermalung des Musicals eine entscheidende Rolle. Neben ihm wirkten zahlreiche internationale Künstler an der rockigen Filmmusik mit.

Insgesamt sechs Jahre harte Arbeit stecken in der Produktion – Arbeit, die belohnt zu werden scheint: Weltweit wurde der Film, der im Juni Weltpremiere feierte, auf zahlreichen Filmfestivals ausgezeichnet. Auch auf dem seit letzter Woche angelaufenen Nederlands Film Festival (NFF) in den Niederlanden (NiederlandeNet berichtete) wurde der Film bereits vorgestellt. Doch vor allem die Chance auf einen Oscar, zeigt, dass sich die Mühe gelohnt hat. Ende August wurde der Film durch eine unabhängige Kommission, welche aus Vertretern des Holland Animation Film Festival (HAFF), des Nederlands Instituut voor Animatiefilm (Niederländisches Institut für Animationsfilm, NIAF) und der Vereniging van Nederlandse Animatieproducenten (Vereinigung niederländischer Animationsproduzenten, VNAP) bestand, für eine Oscar-Nominierung in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm" vorgeschlagen. Unter anderem stimmte Gerben Schermer (HAFF) für die Nominierung von The Monster of Nix. Schermer erklärte den Erfolg niederländischer Animationsfilme im Ausland vor allem durch die Tatsache, dass diese „zeitlos“ seien: „Animationsfilme bedienen sich oft des Experimentellen, was im Ausland sehr geschätzt wird. Aber das ist es nicht allein: Animationsfilme sind universelle Filme, die zeitlich nie festgeschrieben sind. Festivals, auf denen wir gut ankommen, sind meist auf unabhängige Filme ausgerichtet“, so Schermer gegenüber Radio Nederland Wereldomroep (RNW).

Doch trotz der guten Resonanz aus dem Ausland, bestehe auch Grund zur Sorge. Wieder einmal ist der Anlass hierfür die Sparmaßnahmen der Regierung Rutte im Kulturbereich. Schon im Mai hatten die Nederlandse Vereniging van Speelfilmproducenten (dt. Niederländische Vereinigung der Spielfilmproduzenten, NVS) und die Documentaire Producenten Nederland (dt. Dokumentationsproduzenten der Niederlande, DPN) zusammen mit der VNAP in einem Brandbrief vor den negativen Folgen der Sparmaßnahmen für den Filmsektor gewarnt (NiederlandeNet berichtete). Die Produzenten der Animationsfilme befürchten, dass zukünftige Projekte aufgrund der ausbleibenden Fördermittel, kommerzieller werden könnten. Der typisch niederländische experimentelle Animationsfilm könnte so verloren gehen.

The Monster of Nix wird in den niederländischen Kinos Ende Oktober zu sehen sein. Erstausstrahlung ist passenderweise der 31. Oktober – Halloween. Die offizielle Website zum Film finden Sie unter www.monsterofnix.com. Ob der Film tatsächlich eine Oscar-Nominierung erhält, wird im Januar nächsten Jahres bekannt gegeben.