Nachrichten September 2011



KULTUR: Zehn Tage lang Nederlands Film Festival in Utrecht

Utrecht. AF/NRC/VK/Elsevier/filmfestival.nl 23. September 2011.

Am Mittwochabend wurde das 31. Nederlands Film Festival (NFF) in Utrecht eröffnet. Was 1981 als kleines Festival van de Nederlandse Film begann, ist inzwischen ein großes, gut besuchtes Publikumsereignis, geworden. Alle niederländischen Filmproduktionen des vergangenen Jahres sind zu sehen. Neben Spielfilmen finden sich auch Kurzfilme, Dokumentationen und Fernsehproduktionen im Programm. Über 100 Filmpremieren werden dieses Jahr auf dem NFF gefeiert, doch Höhepunkt der Veranstaltung ist die Verleihung des großen niederländischen Filmpreises Het Gouden Kalf (dt. Das Goldene Kalb) am letzten Tag des Festivals.

Eröffnet wurde das diesjährige NFF mit der Premiere des Spielfilms „De bende van Oss“ von Regisseur André van Duren. Der Film beruht zu großen Teilen auf wahren Begebenheiten. Eine Bande aus der Ortschaft Oss, gelegen zwischen Den Bosch und Nijmegen, machte in den 1930er Jahren durch ihre kriminellen Machenschaften von sich reden. Gegner ist die holländische Marechaussee die von der „Bauernmaffia aus Brabant“ allein schon aufgrund ihres arroganten Dialekts zum Feind erklärt wird. Die Volkskrant kritisierte, der Film sei „zu kühl, um wirklich anzurühren.“ Gleichzeitig sei die düstere Atmosphäre einer der größten Pluspunkte des Films. „Immer wird jemand bestochen, erpresst, verstümmelt, missbraucht, gefoltert oder ermordet.“

Neben der „De bende van Oss“ sind noch 26 weitere Spielfilme im Wettbewerb um das Goldene Kalb, unter anderem auch die eigenwillige Komödie „New Kids Turbo“ (2010) über fünf primitive und rücksichtslose junge Männer, die im letzten Jahr auch in den deutschen Kinos zu sehen war. Einen offiziellen Favoriten gibt es dieses Jahr nicht, doch der am 2. Abend gezeigte Thriller „Isabelle“, der auf einem Buch von Tessa de Loo basiert, bekam gute Kritiken. Er handelt von der Entführung der bildschönen Schauspielerin Isabelle durch die entstellte Künstlerin Jeanne. Die Volkskrant sprach von einem „intelligenten Psychothriller, der einen bis zum Ende fesselt“.

Ähnlich wie bei der Oscar-Verleihung in den USA kann der Filmpreis in verschiedenen Kategorien gewonnen werden: zum Beispiel bester Spielfilm, beste Regie, beste(r) Hauptdarsteller(in), beste(r) Nebendarsteller(in), etc. Letztes Jahr gewann das Drama „Joy“ von Frans van Gestel, Jeroen Beker und Arnold Heslenfeld, das seine Weltpremiere auf dem Internationalen Filmfest in Berlin 2010 gefeiert hatte, das Goldene Kalb in der Kategorie bester Spielfilm. Als beste Hauptdarstellerin 2010 wurde Carice van Houten ausgezeichnet, die deutsche Zuschauer unter anderem aus dem Film Black Book (Originaltitel: Zwartboek) kennen.

Bereits am ersten Abend des Festivals verliehen, wurde der Filmpreis der Stadt Utrecht. Er ging an Thijs Schreuder mit seiner kurzen Dokumentation „When the war ends“. Schreuder begleitet darin Robert, der 1974 Mitglied der IRA wurde und für die Trennung Nordirlands vom Vereinigten Königreich kämpfte. Noch immer wird Roberts heutiges Leben von dem inzwischen beendeten Kampf beeinflusst.

Bei der diesjährigen Eröffnungsrede ging NFF-Direktorin Willemien van Aalst auch auf die staatlichen Einsparungen im Bereich Kunst und Kultur (NiederlandeNet berichtete) ein. Sie verglich dieses Vorgehen mit einem „zerstörerischen Tornado, der die niederländische Kulturlandschaft in den kommenden Jahren dramatisch verändern wird.“ Laut Van Aalst hat der niederländische Film – dank „jahrelanger sorgfältiger Kulturpolitik“ – im Moment einen Marktanteil von 20 Prozent. „Der niederländische Film kann ohne staatliche Unterstützung einfach nicht existieren.“