Nachrichten Oktober 2011



LITERATUR: Niederländische Autoren werden gern gelesen –
im In- und Ausland

Frankfurt a.M./Den Haag. AF/NRC/NOS/duitslandweb.nl/LF/NL/KBW. 13. Oktober 2011.

Die Niederlande rühmen sich eines stark entwickelten literarischen Lebens, das auch im Ausland Anklang findet. So verwunderte es auch nicht, dass sich unter den weltweit größten Buchverlagen – wie gestern bei der Eröffnung der 63. Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben  – mit Reed Elsevier und Wolters Kluwer (Platz zwei und vier) auch zwei Verlagshäuser mit großen niederländischen Anteilen befanden. Insgesamt 121 niederländische Einzelaussteller sind dieses Jahr bei der Buchmesse in der Mainmetropole vertreten. Zum Vergleich: Ehrengast Island hat nur 30 Stände.

„Niederländische Autoren werden im Ausland für die hohe literarische Qualität ihrer Werke geschätzt, in denen häufig komplexe Themen auf zugängliche, aber nicht oberflächliche Art präsentiert werden“, so Tiziano Perez vom Nederlands Letterenfonds, der größten niederländischen Interessensvertretung für Literaten und Übersetzer, gegenüber Duitslandweb. Vor allem Bücher mit intellektuellem Hintergrund, wie sie Cees Nooteboom und Harry Mulisch schreiben, kämen in Deutschland gut an. Und auch niederländische Sachbuchautoren wie Geert Mak oder Frank Westerman hätten beim Deutschen Publikum Erfolg, so Perez weiter.

Mit einer so genannten Shortlist von 10 Büchern rührt der Nederlands Letterenfonds auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse die Werbetrommel für bekannte und (noch) unbekannte niederländische Buchautoren. Dass die niederländische Literatur dadurch einen ähnlichen Boom auf dem deutschen Markt erleben wird wie 1993 als die Niederlande Ehrengast der Buchmesse waren, ist zwar eher unwahrscheinlich, doch werden noch immer viele niederländische Bücher ins Deutsche übersetzt und in großen Mengen verkauft. Die Gesamtzahl der in deutscher Übersetzung erschienenen niederländischen Bücher schätzt der Letterenfonds auf 4.000.

Einen neuen Absatzmarkt erobert, hat die niederländische Buchbranche erst neulich auf der chinesischen Buchmesse, dem Beijing International Book Fair 2011 Anfang September. Hier präsentierten sich die Niederlande als Ehrengast erfolgreich mit dem Thema „Open Landscape – open book“, wodurch der Wert des freien Wortes unterstrichen werden sollte. „Indem wir auf der Messe gezeigt haben, welch reiches Bücherangebot es in Flandern und den Niederlanden dank der dort herrschenden Meinungs- und Pressefreiheit gibt, haben wir ein deutliches Signal an die Medien und die Verlagsbranche gesendet auch ohne große Demonstrations-Transparente,“ so Carlo van Baelen, Direktor des Vlaams Fonds voor de Letteren. Niederländische Herausgeber sprachen von einem unglaublichen Interesse an den von ihnen angebotenen Büchern – bereits während der Messe wurden Dutzende Titel verkauft.

Die düsteren Zukunftsprognosen für die Buchbranche, die eine Halbierung der Umsätze bis 2025 voraussagen, will man vor diesem Hintergrund und angesichts der aktuellen literarischen Events in den Niederlanden nicht recht glauben. 

So sorgt aktuell die Kinderboekenweek für hohe Bücherverkaufszahlen in den Niederlanden. Das speziell für die Kinderboekenweek 2011 herausgegebene Bilderbuch De prins op het witte paard von Dolf Verroen und Thé Tjong-Khing führt eine Woche nach seiner Veröffentlichung die wöchentliche Bestsellerliste der Stichting Collectieve Propaganda van het Nederlands Boek (CPNB) an. Auch auf dem zweiten und dritten Platz standen am Mittwoch Kinderbücher: Superdolfje von Paul van Loon und Dappere dierenredders von Vivian den Hollander und Dagmar Stam. Den Gouden Griffel, ein jährlicher Preis für das beste niederländische Kinderbuch, der im Rahmen der Kinderboekenweek überreicht wird, erhielt dieses Jahr das Buch Dissus von Simon van der Geest.

Seit 1955 organisiert die CPNB jedes Jahr im Oktober eine ‚Kinderbücherwoche’. Zehn Tage lang wird eine Fülle von Aktivitäten rund um das Kinderbuch organisiert. Bibliotheken, Schulen, der Buchhandel und viele kulturelle Einrichtungen nehmen mit besonderen Aktionen an dieser Veranstaltung teil. (siehe Vertiefungstext Kinderboekenweek).

Die 57. Kinderboekenweek läuft noch bis zum 15. Oktober. 6 Tage später beginnt dann bereits das nächste literarische Großereignis: die landesweite Kampagne „Nederland Leest“. Die Aktion wurde 2006 ins Leben gerufen, um zu zeigen, dass das Lesen eines guten Buches Freude bereitet und den Horizont erweitern kann. Das ganze Land wird vom 21. Oktober bis zum 18. November über ein bestimmtes Buch sprechen. Dieses Jahr handelt es sich um Het leven is vurrukkulluk von Remco Campert, ein Klassiker von 1961, den niederländische Schüler in der Oberstufe lesen. Das Buch wird als spezielle Nederland-Leest-Taschenbuch-Ausgabe gratis an öffentliche Bibliotheken und Schulen verteilt. 

Mehr über niederländische Literatur und literarische Events in den Niederlanden finden Sie in unserem Vertiefungstext Die niederländische Literatur.