Nachrichten November 2011



FUSSBALL: „Duelle zwischen Deutschland und den Niederlanden immer belastet“

Hamburg. AF/Bild/duitslandweb.nl/NRC/Stern/StZ/Telegraaf. 15. November 2011.

Heute Abend treffen die deutsche und die niederländische Fußballnationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel in Hamburg aufeinander. Neben dem sportlichen Aspekt des Spiels, geht sowohl die niederländische als auch die deutsche Presse im Vorfeld vor allem auf die bisherigen, häufig sehr emotionalen Begegnungen der beiden Nationalteams ein, und vergisst dabei nicht, selbst auch noch etwas Öl ins Feuer zu gießen.

„Freundschaftsspiele gibt es nicht mehr, schon gar nicht gegen die Deutschen“, wird der Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft, Mark van Bommel, heute im NRC Handelsblad zitiert. Und die deutsche Boulevardzeitung Bild droht auf der ersten Seite ihres Sportteils: „Holland, heute seid ihr dran“. Heute Abend geht es nicht nur um die sportliche Rivalität zweier starker Nationalteams, sondern um „Rache am Erzrivalen“.

Tatsächlich gab es in den bisher 37 Länderspielen zwischen den Niederlanden und Deutschland häufiger Szenen, die alles andere als „Fairplay“ waren. Zum Beispiel bespuckte der niederländische Spieler Frank Rijkaard Rudi Völler im WM-Spiel 1990 - in den Niederlanden noch heute als "Spuck-Vorfall" bekannt. Zwei Jahre zuvor hatte sich der Niederländer Ronald Koeman nach einem Spiel der beiden Mannschaften mit Olaf Thons Trikot den Hintern abgewischt. Dafür war die Schadenfreude auf deutscher Seite 2002 groß, als die Niederländer sich nicht für die WM qualifizierten. Die Fans sangen hämisch: „Ohne Holland fahr’n wir zur WM“.

Als Ausgangspunkt für den „Fußballkrieg“ wird immer das Finale der Weltmeisterschaft 1974 in München genannt. Damals gewannen die Deutschen 2:1 gegen die Niederlande und wurden Weltmeister, dabei hatten die Niederländer den „schöneren“ Fußball gespielt. Das Spiel ging in die niederländischen Fußballanalen als das „WM-Trauma von München“ ein. Als die Niederländer dann 1988 im Halbfinale der Europameisterschaft im Hamburger Volksparkstadion auf die deutsche Mannschaft trafen, revanchierten sie sich. Sie gewannen 2:1 gegen die Deutschen, erreichten damit das EM-Finale und besiegten dort die Sowjetunion. Doch noch wichtiger als der Europameister-Titel schien das gewonnene Spiel gegen die Deutschen. Historiker sprachen damals von einer „zweiten Befreiung nach 1945, dem Sieg von David gegen Goliath“.

Dass der gehasste Goliath inzwischen ein „so un-deutsches Angriffsspiel [spielt], dass man [die deutsche Mannschaft] lauthals mit Oranje vergleicht“, so das NRC Handelsblad, „tut weh.“ Die Stuttgarter Zeitung, welche anlässlich des heutigen Spiels die Spielkulturen der beiden Mannschaften analysierte, sieht dafür in der "mannschaftlichen Geschlossenheit" der niederländischen Nationalmannschaft und dem "eher pragmatischen Ansatz" des Nationaltrainers Bert van Marwijk „deutsche Tugenden“. Dass diese Analyse in den Niederlanden auf Gegenliebe stößt, ist eher unwahrscheinlich. Auch die deutsche Seite, lehnt den schmeichelhaft gemeinten Vergleich mit dem Rivalen ab. Auf die Frage, ob Deutschland denn inzwischen das bessere Holland sei, antwortete der Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff halb im Scherz: „Das wollen wir aber gar nicht sein, denn dann werden wir bei den großen Turnieren ja immer nur Zweiter.“

Wer mehr über die Fußballrivalität zwischen Deutschland und den Niederlanden erfahren möchte, dem sei unser Vertiefungstext Deutsch-niederländische Fußballrivalitäten empfohlen.