Nachrichten November 2011



SREBRENICA: Vorwürfe gegen Ex-Kommandant verhärten sich

Hilversum. RH/AD/KRO/NRC. 09. November 2011.

Im Juli 1995 fand im Städtchen Srebrenica im Osten Bosniens ein Massenmord an tausenden bosnischen Moslems statt. Zuvor wurden etwa 400 niederländische Blauhelm-Soldaten zur Sicherung der Enklave eingesetzt. „Afschrikking door Aanwezigheid“ (dt. Abschreckung durch Präsenz) lautete die Aufgabe der niederländischen Uno-Einheit. Die niederländische Tageszeitung AD meldete gestern Morgen, dass der Ex-Kommandant der niederländischen Bataillon Dutchbat, Thom Karremans, der das niederländische Kontingent für die UNPROFOR während des Jugoslawienkrieges ab 1994 leitete, von dem bevorstehenden Massenmord an 8.000 Moslems gewusst haben soll.

In der Fernsehreportage KRO Profiel wird der ehemalige Kommandant jetzt mit seinem Handeln konfrontiert. Er sagte stets, dass er sich nicht vorstellen konnte, was den Männern nach dem Fall von Srebrenica bevorstand. Auch in der Reportage behauptet er weiterhin, keinen Meineid geleistet zu haben. Der ehemalige Chirurg des niederländischen Bataillons, Ger Kremers, hingegen behauptet gegenüber KRO Profiel, dass Karremans sehr wohl wusste, was mit den Männern geschehen würde. Auch der niederländische Militärhistoriker Christ Klep von der Universität Utrecht bestätigt die Annahme Kremers, dass Karremans einen Meineid vor Gericht schwor.

Die Sendung über diese unglaublichen Vorwürfe soll heute Abend im niederländischen Fernsehen ausgestrahlt werden. Allerdings teilt die Rundfunkanstalt KRO auf ihrer Website mit, dass Karremans die Ausstrahlung der Sendung verbieten möchte. Dies ließ er über seinen Anwalt verlautbaren, der schriftlich mitteilte, dass die Sendung für Karremans eine Rufschädigung bedeuten würde. Zurzeit untersucht die Staatsanwaltschaft in Arnheim den Fall Karremans. Bis zum Ende des Jahres soll beschlossen werden, ob der Ex-Kommandant für den Vorfall in Srebrenica persönlich haftbar gemacht und somit strafrechtlich verfolgt werden soll.

Erst im Juli diesen Jahres ist in Den Haag ein Urteil zum Massenmord in Srebrenica gefällt worden. Danach trägt der niederländische Staat trägt die Verantwortung für den Tod dreier bosnischer Muslime, die 1995 von bosnisch-serbischen Truppen nach dem Fall der Muslim-Enklave ermordet wurden. Der Richterspruch wurde in der Presse als „überraschend“, „bahnbrechend“ und aber auch als „unangenehm“ und „schmerzhaft“ bezeichnet (NiederlandeNet berichtete). Mit den jüngsten Vorwürfen wird der dunkle Fleck in der gegenwärtigen Geschichte der Niederlande erneut sehr präsent.

Die Sendung kann nach der Ausstrahlung hier angeschaut werden.