Nachrichten November 2011



GASMARKT: Niederlande an neuer Erdgaspipeline beteiligt

Lubmin. TM/TR/RNW/VK/zeit.de. 09. November 2011.

Am gestrigen Dienstag wurde der erste Strang der neuen Gaspipeline durch die Ostsee feierlich eröffnet. Im deutschen Küstenort Lubmin im Norden Mecklenburg-Vorpommerns drehten mehrere Würdenträger – darunter auch die deutsche Bundekanzlerin Angela Merkel und der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte – symbolisch den Hahn für die neue Ostsee-Pipeline auf. Neben einem niederländischen sind auch ein russischer, ein französischer sowie zwei deutsche Konzerne an dem 7,4 Milliarden Euro teuren Projekt Nord Stream beteiligt. Die Pipeline beginnt im russischen Vyborg und endet nach einer Strecke von 1.224 Kilometern im deutschen Lubmin. Sobald im kommenden Jahr auch der zweite Strang der Unterwasser-Leitung fertiggestellt ist, werden pro Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Gas aus den Gasfeldern in Sibirien den Weg nach Nordwesteuropa antreten.

Damit hat das multinationale Nord Stream-Konsortium jetzt zu einem gewissen Stück Unabhängigkeit erlangt, denn dank der Direktroute durch die Ostsee spart man sich den bisher üblichen Umweg durch die Ukraine, Weißrussland und Polen, den bislang 80 Prozent der Gasexporte von Russland nach Deutschland nahmen. Hier kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Unstimmigkeiten und Konflikten zwischen Russland und den Durchfuhrländern – hier vor allem der Ukraine – um die Transitbedingungen. Der russisch-ukrainische Gasstreit, der seit 2005 immer wieder aufflammte, war mit ein Grund dafür, die jetzige Ostseepipeline zu realisieren. Im kommenden Jahr wird zudem mit dem Schwesterprojekt South Stream begonnen, bei dem Gas von Russland durch das Schwarze Meer nach Italien geschleust werden soll.

Das Nord Stream-Projekt ist zu 51 Prozent in der Hand des ehemaligen russischen Staatskonzerns Gasprom. Weitere Anteilseigner sind die deutsche E.ON Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall mit jeweils 15,5 Prozent sowie der französische Energieversorger GDF Suez und die Nederlandse Gasunie NV zu je 9 Prozent. Gasunie gehört vollständig dem niederländischen Staat und hofft darauf, auf langfristige Sicht Geld mit ihrem Anteil an dem Pipeline-Projekt zu verdienen. Ziel der Niederlande ist es, zukünftig zum Gasknotenpunkt Nordwesteuropas zu werden. Konkret sehen die Pläne vor, das aus Sibirien kommende Gas in die immer weiter leer laufenden und mittelfristig erschöpften Erdgasfelder im niederländischen Slochteren (NiederlandeNet berichtete) zu leiten, um sie dort zu speichern und für den Export vorzuhalten. „Das Sammeln von Gas lohnt sich“, sagte so auch Mark Rutte auf der gestrigen Veranstaltung in Lubmin. „Die wirtschaftliche Bedeutung von Gas dürfen wir nicht unterschätzen. Die Zahlen sprechen Bände. Für 2012 geht es um einen Wirtschaftswert mit einer Gesamtsumme von beinahe 21 Milliarden Euro, welcher sich direkt auf den Gassektor bezieht“, so Rutte in seiner Rede.

Die Niederlande spielen durch ihre Erdgasvorkommen bereits jetzt eine bedeutende Rolle auf dem europäischen Gasmarkt. Dies soll auch nach dem Ende der Vorkommen im eigenen Land weiterhin so sein, weshalb man sich nun strategisch als Importeur und Distributor zu positionieren versucht. Dabei spielt das russische Gas eine wichtige Rolle und man hofft, durch den Weiterverkauf ein paar Cent pro Kubikmeter Gas verdienen zu können. Neben den Erdgasfeldern von Slochteren in der Provinz Drenthe wurde jüngst auch im Hafen von Rotterdam eine enormes Terminal eingeweiht, welches für die Speicherung von Flüssiggas bestimmt ist, das über den Seeweg aus Trinidad und Tobago, afrikanischen Ländern wie etwa Angola oder Nigeria oder aus Nahost in die Niederlande kommt. Über Rotterdam werden jährlich etwa 12 Milliarden Kubikmeter an Erdgas in das niederländische Gasnetz eingespeist und später an Abnehmer im In- und Ausland weiterverkauft.