Nachrichten November 2011



ÖPNV: Streifenkarte geht nach 31 Jahren in Rente

Den Haag. TM/NBTC/NOS/NRC/VK. 04. November 2011.

Mehr als drei Jahrzehnte hatte sie auf dem Rücken, als gestern ihr Nachfolger die Arbeit übernahm: die Nationale Strippenkaart (dt. Nationale Streifenkarte) – ein einheitliches Zahlungsmittel für den gesamten niederländischen öffentlichen Nahverkehr. Der der Zeitpunkt der „Pensionierung“ musste zuletzt mehrmals verschoben werden. So war eigentlich angedacht, dass die Ära der Strippenkaart bereits im April dieses Jahres beendet sein sollte. Nun erfolgt die Bezahlung in niederländischen Bussen, Straßen- und U-Bahnen ab sofort ausschließlich über die sogenannte ov-chipkaart (dt. etwa ÖPNV-Chipkarte), welche das seinerzeit revolutionäre System der Streifenkarte nun vollständig ersetzt. Am gestrigen Donnerstag führten dazu die vier verbliebenen Provinzen Drenthe, Groningen, Nord-Brabant und Utrecht die neue Chipkarte als obligatorischen Fahrausweis im öffentlichen Personennahverkehr ein. Zuvor hatten sich ab 2009 bereits große Städte wie Amsterdam und Rotterdam sowie andere Provinzen von der Streifenkarte verabschiedet (NiederlandeNet berichtete). Die dortigen Bewohner gewöhnten sich dabei allerdings nur langsam an das neue System (NiederlandeNet berichtete).

Die Strippenkaart existiert seit dem 8. Mai 1980 und ersetzte seinerzeit als innovatives Bezahlsystem die zahlreichen regionalen Ticketsysteme für U-Bahn, Bus und Straßenbahn durch einheitliche Tarife. Kam es anfangs noch zu Protesten unter den Kunden, welche die Praxis des Faltens und Abstempelns als kompliziert empfanden, hat sich das landesweit einheitliche System jedoch schnell durchgesetzt. Während der 31 Jahre veränderte sich dabei nicht viel: Das Aussehen der Karte blieb fast identisch, die Art der Benutzung änderte sich nicht, nur der Preis hat sich im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte immer wieder angepasst. Waren es zu Beginn der 1980er Jahre noch 6 Gulden (umgerechnet 2,70 Euro), die man in eine Streifenkarte investieren musste, musste man jetzt gegen Ende 7,70 Euro bezahlen. So wie der Preis seither immer höher stieg, fiel auf der anderen Seite die Popularität der strippenkaart: Waren es zu Beginn der 1990er Jahre noch rund 115 Millionen Karten, die pro Jahr verkauft wurden, fiel die Zahl Ende des vergangenen Jahrzehnts auf 100 Millionen Karten zurück. 2011 waren es – bedingt durch die Systemumstellung – sogar nur noch 33 Millionen Karten, die an den Verkaufsstellen erworben wurden.

Dahingegen wurden bis jetzt etwa 12 Millionen der neu eingeführten Chipkarten produziert. Es existieren – je nach persönlichem Reiseverhalten – personalisierte, anonyme sowie Wegwerfkarten. Während die ersten beiden als Plastikkärtchen im Kreditkartenformat daherkommen und mit Geld aufladbar sind, bestehen letztere aus Pappe und verlieren nach der Fahrt ihren Wert. Ähnlich dem in Deutschland zurzeit in der Testphase befindlichen Touch&Travel-System der Deutschen Bahn muss man auch mit der ov-chipkaart jeweils bei Fahrtantritt als auch beim Verlassen des Verkehrsmittels jeweils ein- bzw. auschecken, indem man seine Karte einmal entlang der an Bahnhöfen und in den Verkehrsmitteln aufgestellten Terminals führt. Im Gegensatz zu Touch&Travel, welches mithilfe der sogenannten NFC-Technologie in modernen Smartphones oder über zweidimendionale Barcodes funktioniert, verwendet man bei der ov-chipkaart RFID-Chips, wie sie etwa auch in modernen Preisschildern im Einzelhandel zu finden sind. Diese Chips sind unsichtbar in den neuen Chipkarten eingebaut. Die RFID-Chips können dabei das aktuelle Guthaben und je nach Art der Karte auch noch weitere Daten speichern.

Mit Einführung der neuen Chiptechnik kommt es in den Niederlanden  neben vielen Vorteilen auch immer wieder zu erheblichen Problemen mit der ov-chipkaart: So gab es von Beginn der Test- und Einführung an immer wieder Meldungen von Betrugsfällen, bei denen der karteneigene Chip von Hackern geknackt wurde und man das Guthaben ohne zu bezahlen aufwerten konnte. Wie ein Sprecher des Chipproduzenten TLS unlängst verlauten ließ, hätten die Betrugsfälle in den vergangenen Monaten jedoch leicht abgenommen. Seit August verwendet man zudem eine neue Generation des Chips, welcher mehr Sicherheit bieten soll. Aktuell kommt es noch zu durchschnittlich 20 Betrugsfällen pro Tag, die bekannt werden.

Weitere Informationen zur ov-chipkaart für Niederlande-Touristen gibt es auf den Seiten des NBTC.