Nachrichten Mai 2011



EHEC: Gemüseexport nach Deutschland eingebrochen

Den Haag. TM/BN/blikopnieuws.nl/EenVandaag/ed.nl/fd/VK. 31. Mai 2011.

Niemand außer den Medien schaut auf dem Amsterdamer Markt Albert Cuyp bei Salatgurken, Tomaten und Co. genauer hin oder fragt nach deren Herkunft, so Gemüsemann Ten Seldam gegenüber der Tageszeitung de Volkskrant. Und auch in den niederländischen Supermärkten gibt es im Gegensatz zu Deutschland keinen Grund, um die hierzulande verfänglichen Produkte aus den Regalen zu nehmen: „Wir wollen nicht, dass unsere Kunden sich unnötig sorgen machen“ so die Aussage des Branchenriesen Albert Heijn. Ganz anders die Situation in Deutschland, dem weltweit größten Abnehmer von in den Niederlanden produzierten Salatgurken und anderen Gemüsesorten. Von den jährlich bei den westlichen Nachbarn geernteten 1,6 Milliarden Salatgurken geht rund die Hälfte nach Deutschland. Durch die EHEC-Diskussion hierzulande und in anderen umliegenden Ländern kommen die niederländischen Gemüsebauern nun mehr und mehr in Bedrängnis; der Export von Salatgurken, Tomaten, Paprika und Salat, der jährlich etwa ein Volumen von 1,1 Milliarden Euro ausmacht, ist aktuell stark eingebrochen.

Nach Aussage eines Sprechers der Gemüse-Exporteurs Kompany werden die lokalen Züchter die aktuelle Absatzkrise sicher noch eine Woche durchhalten können. „Wenn es aber länger dauert, wird bei einigen Gurkenzüchtern sicherlich das Wasser bis zum Kopf stehen.“ Pro Woche verkauft Kompany, wo 65 Züchter aus dem Südosten der Niederlande angeschlossen sind, normalerweise 15 Millionen Salatgurken. Zuletzt war das Salatgemüse nur noch 22 Cent pro Stück wert – die Einnahmen sacken langsam aber sicher weg. Aus diesem Grund hat sich der niederländische Landwirtschaftsstaatssekretär Henk Bleker gemeinsam mit den Funktionären der Sektorverbände zuletzt dafür eingesetzt, Unterstützungszahlungen aus europäischen Töpfen der Gemeinsamen Marktordnung Obst und Gemüse zu beantragen. Unter der Bedingung, dass der Sektor selbst einen gleichhohen Betrag beisteuert, kann nun binnen weniger Wochen mit EU-Hilfszahlungen in Höhe von 10 Millionen Euro gerechnet werden. Dieses Geld würde dazu ausreichen, um den Verdienstausfall der Produzenten von etwa einer Woche abzufedern.

„Zehn Millionen ist ein kleiner Betrag“, so Bleker am Montag. „Aber wenn das Wasser bis an die Lippen steht, ist 3 cm weniger Waser eine ziemliche Beruhigung“. Die Gemüsezüchter befinden sich generell seit dem Jahr 2009 schon in einer schwierigen Zeit. Laut Nico van Ruiten von der Branchenorganisation LTO Glaskracht Nederland könnte die aktuelle Krise „der bekannte Tropfen“ sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Konkurse werden als Folge laut Van Ruiten sicher nicht auszuschließen sein. Wie die Tageszeitung Het Financieele Dagblad berichtet, haben Niederländische Banken wie etwa die Rabobank unterdessen angekündigt, flexibel reagieren zu wollen, wenn Gemüsezüchter in finanzielle Probleme kommen sollten. „Es gibt Betriebe, die sich zu 70 bis 80 Prozent auf den Export auf den deutschen Markt konzentriert haben“, so Staatssekretär Henk Bleker – diese Unternehmen hoffen jetzt auf ein schnelles Einkreisen der Infektionsquelle des EHEC-Bakteriums.