Nachrichten Mai 2011


UNESCO: Niederländische Dokumente zum Weltkulturerbe ernannt

Amsterdam/Leiden/Middelburg. TM/BN/DG/EV/UNESCO/VK. 27. Mai 2011.

Mehrere historische Quellen aus den Niederlanden gehören ab sofort zu den 44 neuen Dokumenten, die dem Memory of the World-Register hinzugefügt werden. Dies gab die UNESCO am Mittwoch bekannt. In ihrem Register findet sich dokumentarisches Erbgut wie Bücher, Archivquellen oder Film- und Audioaufnahmen. Aus den Niederlanden gehört bereits das Tagebuch der Anne Frank oder das Archiv der Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) zum Weltkulturerbe für Dokumente. Nun können sich auch die Archive der Middelburgischen Kommerz Kompanie (MCC) sowie der Niederländischen Westindische Gesellschaft (WIC) mit der Aufnahme rühmen. Ebenfalls nominiert – letztendlich jedoch ohne Erfolg – war auch das Originalmanuskript des Romans Max Havelaar des niederländischen Autors Multatuli.

Mit den beiden aufgenommenen Archiven von MCC und WIC sind es die dokumentierten historischen Erinnerungen zweier sehr stark in den Sklavenhandel involvierten Handelsunternehmen, die nun besondere Aufmerksamkeit erlangen. Die MCC bestand rund 170 Jahre von 1720 bis zum Jahr 1889 und ihr lange Zeit vergessenes Archiv ist laut Aussage der UNESCO das vollständigste, welches überhaupt über die Zeit des Sklavenhandels existiert. Es gibt eine „einzigartige“ Einsicht in das damalige Leben von Sklaven und ihren Händlern. So kann etwa nachvollzogen werden, für welche Waren ein Sklavenmädchen eingetauscht wurde, man kann zurückfinden, welche Güter während der Reise unterwegs eingekauft wurden, was ein Korrespondent im fernen Westen rapportierte, wer die Anteilseigner der MCC waren und was auf ihren Gehaltslisten stand. Insgesamt hatte die Kompanie seit der Mitte des 18. Jahrhunderts auf 113 der insgesamt über 300 Reisen rund 31.000 Sklaven vom afrikanischen auf den amerikanischen Kontinent befördert. In dem MCC-Archiv sind all diese Aktivitäten sehr detailliert aufgeführt und der Nachwelt bewahrt geblieben. Die WIC war über einen ähnlich langen Zeitraum, allerdings früher als die MCC – nämlich von 1621 bis zum Jahr 1791 – aktiv. Ihr Archiv bietet nicht allein Einsicht in die Handelsaktivitäten der Kompanie, sondern beinhaltet auch eine Vielzahl von Informationen über Länder und Gebiete, über die aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts heute nur wenige Informationen bekannt sind. Dies macht es aus Sicht der UNESCO zu einem würdigen Vertreter auf der Liste des Weltkulturerbes. Für das MCC-Archiv sind neben den Niederlanden stellvertretend auch die früheren Kolonien Curaçao und Suriname und für das WIC-Archiv ebenso Brasilien, Ghana, Guyana, Curaçao, Suriname, die USA sowie das Vereinigte Königreich geehrt worden.

Neben der Aufnahme der beiden Archive wurde bereits im Vorhinein bekannt, dass auch die Kollektion des ehemaligen niederländischen Filmdistributeurs und Lichtspielhausbetreibers Desmet in das UNESCO-Register aufgenommen wird. Desmet war zu Beginn des 20. Jahrhunderts der erste große Filmdistributeur der Niederlande, dessen Kollektion heute ungefähr neunhundert Filme umfasst, welche seit dem Jahr 1957 im Filminstitut EYE in Amsterdam archiviert sind. Für die UNESCO  war bei der Aufnahme die gute Dokumentation der Evolution des Films sowie Qualität und Quantität der noch vorhandenen einzigartigen Filme, Unternehmensdokumente, Fotos und Poster aus den 1910er Jahren, die lange Zeit als verschollen galten, ausschlaggebend. Gemeinsam mit Indonesien ist aus den Niederlanden zudem das in der Universität Leiden aufbewahrte Manuskript des indonesichen Epos La Galigo in das UNESCO-Register aufgenommen. Das Heldengedicht ist mit seinen 6.000 Seiten das längste seiner Art und stammt aus der Zeit zwischen dem 13. Und 15. Jahrhundert.

Die UNESCO-Liste der aufgenommenen Dokumente aus den Niederlanden findet sich hier.