Nachrichten Mai 2011


DEMJANJUK-PROZESS: „Dass Gerechtigkeit geschehen wird…“

München. CK/Spiegel online/Süddeutsche.de/Tagesspiegel/EenVandaag. 12. Mai 2011.

„Dass Gerechtigkeit geschehen wird“, forderte der niederländische Historiker und Sobibor-Überlebende Jules Schelvis bereits im vergangenen Monat in seinem Plädoyer vor dem Münchener Landgericht. Er gehört zu den 23 Nebenklägern aus den Niederlanden, die in den vergangenen eineinhalb Jahren den Prozess gegen den Sobibor-Wachmann John Demjanjuk zum Teil im Gerichtssaal verfolgt haben.

Heute erklärte das Landgericht München den ehemaligen Wachmann für mitschuldig an der Ermordung von mindestens 27.900 Juden in dem NS-Vernichtungslager und verurteilte ihn zu fünf Jahren Haft. Zwischen März und September 1943 soll Demjanjuk, der zuvor als Soldat der Roten Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten war, als so genannter Trawniki im Lager eingesetzt worden sein. Ein Großteil der Opfer, die in dieser Zeit in Sobibor ermordet wurden, stammte aus den Niederlanden. Darunter auch die Frau von Jules Schelvis. Das weitere Schicksal des Angeklagten nach der Urteilsverkündung war für ihn jedoch von sekundärer Bedeutung – ihm ging es weniger um eine Bestrafung Demjanjuks, als um die Feststellung von dessen Schuld. Zudem sollte der Prozess dazu dienen, „die Wahrheit über Sobibor ans Licht zu bringen.“ Ein Teil der Nebenkläger, wie der 85-jährige Robert Cohen, sah dies anders und forderte die Höchststrafe für den Angeklagten. Aber auch diese wäre seiner Ansicht nach nicht ausreichend: „Leider kann man sich keine Strafen ausdenken, die denjenigen, die solche Verbrechen begangen haben, gerecht werden.“

Die Nebenkläger waren während des Prozesses von einigen niederländischen Historikern unterstützt worden. Von Bedeutung für das Gerichtsverfahren waren zudem Dokumente aus den Niederlanden, wie etwa Transportlisten aus dem Durchgangslager Westerbork in das Vernichtungslager.