Nachrichten Mai 2011


GEDENKEN: Volkstrauertag und Befreiungstag

Amsterdam. CK/VK/TR. 05. Mai 2011.

Absolute Stille herrschte gestern Abend für zwei Minuten auf dem Dam in Amsterdam, wo die Niederländer traditionell am 4. Mai den Menschen gedenken, die seit Beginn des Zweiten Weltkrieges bei Kriegshandlungen oder Friedenseinsätzen ums Leben gekommen sind.  (NiederlandeNet berichtete) Zuvor hatten Königin Beatrix und Prinz Willem-Alexander einen Kranz am Nationaldenkmal niedergelegt.

Im Vorfeld des Nationale Dodenherdenking waren erneut Diskussionen aufgekommen, ob an diesem Volkstrauertag in erster Linie den Opfern des Zweiten Weltkrieges oder auch anderen Kriegsopfern gedacht werden solle. Während sich Vertreter des Nationaal Comité  4 en 5 mei, das für die Organisation der nationalen Gedenkveranstaltung zuständig ist, für eine größere Einbeziehung anderer Opfergruppen aussprechen, hält Dirk Mulder diese Entwicklung für problematisch: „Das ist eine üble Entwicklung. Der Zweite Weltkrieg hat einen großen Einfluss auf die niederländische Gesellschaft, danach muss man sich beim Totengedenken richten. Natürlich muss man auch Soldaten gedenken, die bei anderen Konflikten ums Leben gekommen sind, aber nicht am 4. Mai,“ so der Direktor des Erinnerungszentrums des Lagers Westerbork gegenüber Radio 1.

Auf dem Gelände des ehemaligen Polizeilichen Durchgangslager Westerbork, von wo aus die jüdische Bevölkerung des Landes ab 1942 in die nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurde,  fand gestern, wie an vielen anderen Orten in den Niederlanden, ebenfalls eine Gedenkveranstaltung statt. Im gesamten niederländischen Luftraum waren zwischen 19.45 und 20.03 keine Starts erlaubt, um die nationalen Schweigeminuten um 20 Uhr nicht zu stören. Für Diskussionen hatte bereits im Vorfeld die Einladung von Grimbert Rost van Tonningen zu einer lokalen Gedenkveranstaltung in Culemborg gesorgt. Der Sohn des niederländischen Nationalsozialisten und Kollaborateurs Meinoud Rost van Tonningen rief in seiner Rede zur Versöhnung und Integration auf und beteuerte vor allem seine „intensive Anteilnahme“ mit den mehr als 100.000 jüdischen Opfern des Landes. Zugleich bat er aber auch für mehr Verständnis für die unschuldigen Nachkommen von niederländischen Nationalsozialisten, die seit Ende des Krieges aus der Gesellschaft ausgeschlossen worden seien.

Befreiungstag

Nachdem gestern den Opfern des Zweiten Weltkrieges gedacht wurde, feiern die Niederländer heute den Tag der Befreiung ihres Landes vor 66 Jahren. Im ganzen Land finden heute Veranstaltungen und Festivals statt, zu denen mehr als eine Million Besucher erwartet werden. Den Auftakt bildet die Entzündung des so genannten Befreiungsfeuers in Wageningen, wo die deutschen Besatzer am 6. Mai 1945 die Kapitulationsvereinbarung unterzeichnet hatten.  Anschließend hält der ehemalige Außenminister und Ex-NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer in Arnheim einen Vortrag zum Thema „Freiheit“. Den Abschluss bildet das traditionelle Konzert auf der Amstel in Amsterdam, dem auch Königin Beatrix und Ministerpräsident Mark Rutte bewohnen werden.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltungen steht die Fackel, die zugleich das Symbol des Nationaal Comité 4 en 5 mei ist. Auf den Festivals werden Bänder verteilt, auf denen die Fackel abgebildet ist. Sie sollen symbolisieren, dass die Freiheit nicht selbstverständlich ist, sondern wie das Feuer der Fackel am Leben gehalten und übertragen werden muss.