Nachrichten Juni 2011



STUDIE: Schuldenberg wächst bei Studenten immer weiter an

Utrecht. AKS/ISO/MHP/VK. 21. Juni 2011.

Immer mehr Studenten in den Niederlanden machen Schulden. Dies ergab sich aus einer Untersuchung des Gewerkschaftsbunds für die Mittelschicht und Führungskräfte (MHP) in Zusammenarbeit mit der Überregionalen Studenten Beratung (ISO). Laut dieser Studie ist der durchschnittliche Schuldenbetrag bei niederländischen Studenten vom Jahr 2003 mit 8.000 Euro auf 12.500 Euro im Jahr 2009 stark angestiegen. Die Sparmaßnahmen des Kabinetts Rutte im Bildungssektor werden diesen Zustand noch verschlimmern, geben MHP und ISO in ihrem Bericht zu verstehen.

Im Mittelpunkt der Studie stand die Entwicklung der Studienfinanzierung in den letzten zwanzig Jahren. Demnach haben immer mehr Studenten in diesem Zeitraum ein Darlehen aufgenommen, um ihr Studium finanzieren zu können: Nahmen 2003 rund 60.000 Studenten einen Kredit auf, war diese Zahl im Jahr 2009 auf rund 100.000 angewachsen. Die Anzahl Langzeitstudierender, die einen Kredit zur Studienfinanzierung aufgenommen haben, ist ebenfalls von 50.000 (2003) auf beinahe 90.000 (2009) gestiegen. Darüber hinaus sei die Höhe des Basiszuschusses in den Niederlanden, der in etwa mit dem deutschen Bafög zu vergleichen ist, in den letzten beiden Jahrzehnten mit 38 Prozent stark zurückgegangen. Stattdessen müssen Studenten und Eltern immer mehr selbst in die Tasche greifen: Der Beitrag Studierender durch die Aufnahme eines Kredits oder durch Nebenverdienste ist auf 105 Prozent gestiegen. Und auch die finanzielle Unterstützung der Eltern ist in den letzten Jahren um 77 Prozent gewachsen. „In den vergangenen beiden Jahrzehnten wurde in einem schleichenden Prozess ein Großteil der Studienkosten auf die Studenten und ihre Eltern abgewälzt. Man kann von einer sich immer weiter zurückziehenden Regierung sprechen“, erklären ISO und MHP in ihrem Bericht.

Nach Ansicht des Gewerkschaftsbunds und des Beratungsorgans können die Studenten außerdem zu einfach einen Kredit aufnehmen und seien oftmals im Vorfeld zu wenig informiert: „18-jährige Jugendliche, die gerade ihr Studium beginnen, können ohne Probleme einen Kredit aufnehmen. Es stellt sich die Frage, ob sie auch gut wissen, worauf sie sich einlassen“, äußerte Guy Hendricks, Vorsitzender der ISO, seine Befürchtungen. Ferner besteht die Sorge, dass der Schuldenberg durch die Kabinettspläne der Regierung in den kommenden Jahren noch weiter anwachse. Die Regierung Rutte plant unter anderem die Studienbeihilfe für die Masterphase abzuschaffen und diese stattdessen in ein Darlehen umzuwandeln, das die Studenten aufnehmen müssen, um ihr Studium finanzieren zu können (NiederlandeNet berichtete). Die Folgen dieser gesteigerten Kosten sind laut MHP und ISO groß:  „Diese Entwicklung hat nicht nur eine große Auswirkung auf die Kaufkraft der Studenten und ihrer Eltern. Sie bremst auch die Wissensökonomie, da in Zukunft immer mehr Jugendliche davon absehen werden, ein Studium zu absolvieren“,  erklärte Hanneke de Geus, Sprecherin der MHP. Mehr noch: „Es ist unglaublich, dass wir in den Niederlanden eigentlich verhindern wollen, dass Jugendliche sich in Schulden stürzen, dies aber scheinbar nicht für Studenten gilt. Studierende werden in den Niederlanden sogar gezwungen, sich hoch zu verschulden“, erklärten De Geus und Hendricks bezüglich der weiteren Entwicklung.

Halbe Zijlstra, niederländischer Staatssekretär für Bildung und Forschung, bezeichnete die Aussage, dass Studenten nicht wissen, worauf sie sich bei einem Kredit einlassen „eine fürchterliche Unterschätzung dieser Gruppe“. „Wenn man sich einen Studienkredit nehmen kann, ist man erwachsen: dann darf man wählen und gewählt werden. Ich erwarte dann auch, dass man weiß, welche Konsequenzen ein Kredit haben kann“, wird er in der niederländischen Presse zitiert. Seiner Ansicht nach ist ein höherer Beitrag der Studierenden gerechtfertigt; umso mehr, da „die Regierung – der Steuerzahler genauer gesagt – den Großteil des Studiums bezahlt“. Außerdem führen die Maßnahmen seiner Meinung nach zu einer bewussteren Studienwahl: „Das ist ein wichtiger Gewinn, denn die Studienverzögerungen und –ausfälle werden dadurch zu kostspielig.“