Nachrichten Juli 2011


SPORT: Niederländisches Dressurpferd räumt in Aachen ab

Aachen. AKS/FAZ/horses.nl/NOS/reitwelten.de/RP. 18. Juli 2011.

Ausverkaufte Stadien, Gedränge um den Abreiteplatz, Fanartikel mit seinem Namen drauf – in der Welt des Pferdesports ist er schon lange ein Star, in der allgemeinen deutschen Presse spätestens seit letzter Woche. Die Rede ist vom niederländischen Dressurhengst Totilas, der als das beste und teuerste Pferd der Welt gilt. Auf dem CHIO (Concours Hippique International Officiel) in Aachen, einem internationalen Pferdesport-Turnier, gewann Totilas mit seinem deutschen Reiter Alexander Matthias Rath insgesamt drei Einzeltitel, darunter auch die Goldmedaille für die Kür, der freien Choreographie. Außerdem konnte das Gespann auf dem „Weltfest des Pferdesports“, wie sich der CHIO Aachen seit 1992 auch selbst tituliert, mit der deutschen Equipe den ersten Platz in der Mannschaftswertung erringen.

Trotz einiger Patzer und noch kleiner Unsicherheiten erreichten Rath und der Hengst aus der Königlichen Warmblutzucht der Niederlande in allen Dressurprüfungen Höchstnoten: „Es sind sicher noch Kleinigkeiten da, an denen wir noch feilen können, aber die Punkte, die wir für die Lektionen bekommen, sind hoch“, gab Rath gegenüber der deutschen Presse zu Verstehen. Damit geht Totilas Erfolgsschiene weiter. Denn schon in den Jahren zuvor glänzte der Hengst, der sich durch eine hervorragende Ausstrahlung, ein überragendes Bewegungstalent und einen kooperativen Charakter auszeichnet, auf internationalen Turnieren mit Spitzennoten. Damals allerdings noch unter dem niederländischen Dressurreiter Edward Gal. Nachdem Gal mit dem Rapphengst bei den Weltreiterspielen 2010 in Kentucky dreimaliger Goldgewinner wurde, verkaufte sein Besitzer den Hengst an den deutschen ehemaligen Springreiter und Profizüchter Paul Schockemöhle. Der Verkaufspreis soll um die 10 Millionen Euro betragen haben. Kurz nach dem Erwerb des 11-jährigen Pferdes ging Schockemöhle mit Ann Kathrin Linsenhoff, der Stiefmutter Alexander Matthias Raths, eine Besitzergemeinschaft ein.

Der Verkauf des Rapphengstes stieß vor allem in den Niederlanden auf viel Kritik und sorgte in der Welt der niederländischen Pferdeliebhaber für Aufregung. Geschürt wurde diese Kritik zudem im vergangenen Monat, als Rath bei den Deutschen Meisterschaften in Balve bei der Kür aus Zeitgründen die freie Choreographie von Edward Gal nachritt, wenn auch spiegelverkehrt und mit eigens für Totilas von DJ Paul van Dyk komponiertem Musikstück. „Es war einfach zu wenig Zeit. Deshalb haben wir uns an Gals Kür orientiert, denn wir wussten ja, dass wir in Balve nicht Gefahr laufen gegen Edward Gal zu reiten“, wird Rath auf reitwelten.de zitiert.

Auf dem CHIO Aachen präsentierten sich Rath und Totilas nun mit neuer Choreographie. Dennoch scheint es für Edward Gal nicht einfach gewesen zu sein, auf sein ehemaliges Spitzenpferd zu treffen, so die FAZ. Kam der Hengst und seine aktuellen Leistungen zur Sprache, so soll Gal geantwortet haben: „Wenn Sie etwas über Totilas wissen wollen, dann müssen Sie seinen neuen Reiter fragen.“ Auch auf die Frage, wie es ihm ohne Totilas ergehe, antwortete der sonst als überaus freundlich bekannte Niederländer kurz und knapp: „Es ist immer noch schwierig. Aber man gewöhnt sich daran.“

In gut einem Monat werden sich Gal und Rath, sowie die anderen Reiter der deutschen und niederländischen Dressurmannschaft, wahrscheinlich wieder im Dressurviereck messen können. In Rotterdam werden im August die Europameisterschaften in der Dressur stattfinden. Für Edward Gal die Gelegenheit, sich mit seiner Stute Sisther de Jeu, einer Halbschwester von Totilas, wiederrum zu beweisen. In Aachen konnten Gal und die nervöse Stute nicht durchgehend von sich überzeugen und errangen in der Kür nur Platz acht.