Nachrichten Juli 2011


UPDATE: Auch ein Deutscher unter den Verletzten in Enschede

Enschede. TM/NOS/rtvoost.nl 08. Juli 2011.

Der gestrige schwere Unfall im Fußballstadion der niederländischen Grenzstadt Enschede, bei dem gegen Mittag ein Teil der Dachkonstruktion eingestürzt war (NiederlandeNet berichtete), fand weltweite Beachtung in den Medien – selbst der US-amerikanische Nachrichtensender CNN brachte die Nachricht auf seiner Internetseite und auch der BBC war es eine Meldung wert. Wie ein Bauarbeiter gestern gegenüber dem niederländischen Nachrichtensender NOS sagte, glich der Einsturz des Daches einem Mikado-Spiel: „Als ob man ein Gefäß mit Trümmern herunterfallen lässt, so ein Geräusch.“  Die Zahl der Opfer wurde unterdessen auf einen Toten und 15 Verletzte angehoben – darunter auch ein Bauarbeiter aus der deutschen Grenzstadt Bocholt. Aktuell befinden sich nach Angaben der NOS noch neun Schwerverletzte im Krankenhaus – einer davon in einem sehr kritischen Zustand, wie Enschedes Bürgermeister Peter den Oudsten am Donnerstagabend in einer Pressekonferenz berichtete.

Vor niederländischen und deutschen Pressevertretern berichteten Den Oudsten und Joop Munsterman, Vorsitzender des Erstligaclubs FC Twente, gegen 19 Uhr über die aktuelle Lage am Unfallort und standen für Fragen bereit. Munsterman erklärte dabei sichtlich angeschlagen, dass sich der gesamte Verein momentan in einer Art Schockzustand befindet. „Das Unglück trifft Twente im tiefsten Herzen. […] Niemand konnte eigentlich glauben, was sich da direkt gegenüber unseren Büros abspielte. So etwas sieht man vielleicht einmal in einem Katastrophenfilm passieren, nicht aber in der Realität. Diesmal war es Realität. Es ist einfach ein Drama.“ Sorgen machte sich Munsterman vor allem um die verletzten Bauarbeiter und wünschte allen angehörigen und Hinterbliebenen der Katastrophe viel Stärke.

Der Vorsitzende war zusammen mit dem Pressesprecher des Clubs direkt nach Bekanntwerden des Unglücks nach Enschede zurückgekehrt. Die Mannschaft und Teile der Vereinsführung hatten sich bis dahin im Trainingslager in der Provinz Zeeland befunden, wo am Samstag auch ein Freundschaftsspiel gegen eine regionale Auswahl stattfinden sollte. Dieses Spiel wurde mittlerweile ebenso wie der geplante Tag der offenen Tür am 17. Juli abgesagt und auch die Mannschaft war im Laufe des Nachmittags nach Enschede zurückgekehrt: „Die Spieler wollen sich jetzt nicht weiter mit Positions- und Dreiecksspielen beschäftigen. Sie wollen zurück zum Club“.

Unterdessen sind am Stadion die Untersuchungen nach den Ursachen des Einsturzes begonnen. Auch sind Inspektionsteams damit beschäftigt, zu untersuchen, ob Teile des Stadions wieder freigegeben werden können. Glaubt man Augenzeugen, dann hatte ein Baukran direkt vor dem Einsturz einen Träger des Tribünendaches tangiert. Zudem wird behauptet, dass auf die Baugesellschaft Druck ausgeübt wurde, die Baumaßnahmen noch vor Beginn der neuen Saison fertigzustellen. Diese Anschuldigungen wiesen sowohl Bürgermeister Den Oudsten als auch Joop Munsterman entschieden zurück.

Wann das Stadion wieder für Fußballspiele geöffnet werden kann, kann momentan niemand sagen. Da in den Niederlanden am 5. August die neue Saison der Eredivisie beginnt und der FC Twente zudem in der Champions League spielt, bemüht sich der Club aktuell um ein Ausweichspielort – im Gespräch ist dabei auch die Gelsenkirchener Arena auf Schalke.