Nachrichten Januar 2011


SPRACHE: Puristen stören sich an Ruttes Sprachgebrauch

Den Haag. AKS/elsevier.nl/gelderlander.nl/stichtingnederlands.nl. 27. Januar 2011.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte verwendet zu viele englische Ausdrücke. Dies erklärte die Stichting Nederlands (dt. Stiftung Niederländisch), die sich gegen den übermäßigen und unnützen Einfluss von englischen Wörtern in der niederländischen Sprache einsetzt, in der vergangenen Woche. Nach Ansicht der Stiftung sollte der niederländische Ministerpräsident sich auf seine Rolle als Vorbild besinnen und daher wieder mehr „normales“ Niederländisch sprechen. In einem Brief hat die Stiftung Mark Rutte auf ihre Beobachtungen hingewiesen und Begriffe und Ausdrücke erläutert, die ihrer Ansicht nach unangebracht sind.

Störend empfindet die Stiftung beispielsweise Ruttes Erläuterung, dass ein Politiker aus seinem gut feeling (dt. Bauchgefühl) heraus regieren muss. Zudem seien Ausdrücke wie old school politicus (dt. Politiker der alten Schule) und die vielen englischen Begriffe und Formulierungen – wie zum Beispiel matchingsregeling (dt. Abstimmungsregelung) – in der Regierungserklärung des Kabinetts überflüssig. Vor allem aber der Satz never contemplate defeat (dt. erwäge niemals eine Niederlage), ein Ausspruch den Mark Rutte von der ehemaligen englischen Premierministerin Margaret Thatcher übernommen hat, stößt bei der Stiftung auf Ablehnung. Das Zitat gilt bereits als Ruttes Standardantwort auf die Frage, wie er weiter vorgehen will, falls ein Vorhaben misslingen sollte.

Trotz dieser Kritik ist die Stiftung grundsätzlich positiv gegenüber Ruttes Sprachgebrauch eingestellt, wie der Vorsitzende der Stiftung, Arno Schrauwers, gegenüber der niederländischen Zeitung De Gelderlander erklärte. Den Gebrauch von englischen Ausdrücken verurteilt Schrauwers im Allgemeinen jedoch scharf: „Für beinahe jedes englische Wort gibt es eine Alternative im Niederländischen. Wozu brauchen wir das Englische also?“ Er empfindet die Verwendung von englischen Begriffen als eine Form des Imponierens, was damit ein Ausdruck von Dummheit sei. In Mark Ruttes Fall allerdings erkennt Schrauwers keine bösartige Absicht: „Der Premier will gerne deutlich rüberkommen. Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist er eine Erleichterung. Das ihm regelmäßig englische Wörter über die Lippen kommen, geschieht aus Bequemlichkeit.“ Ruttes Vorgänger, Jan Peter Balkenende, soll nach Aussage der Stiftung ein teilweise „unnachahmliches Niederländisch“ sprechen.

 „I´ve seen it“ reagierte der Ministerpräsident amüsiert auf die Beschwerde der Stiftung und erklärte: „Bevor ich in die Politik ging, habe ich in der freien Wirtschaft gearbeitet. Mein Sprachgebrauch ist daher vom Englischen beeinflusst.“ Wenn er nun vermehrt auf seinen Sprachgebrauch achten müsse, so der Premier, würde das die Geschwindigkeit seines Denkens beeinflussen. Dennoch räumte Rutte ein, dass drei englische Begriffe in einem Satz, ein wenig zu viel seien. Er sei offen für jede Anmerkung aus der Gesellschaft und nehme daher auch die Beschwerde der Stiftung ernst: „Aber es ist schwierig. Weniger Englisch – das ist eine tall order (dt. große Aufgabe).“