Nachrichten Januar 2011


BILDUNG: Studenten protestieren gegen Regierungspläne

Den Haag/Amsterdam. CK/TR/VK/NOS. 18. Januar 2011.

72 Stunden lang durchgängig Vorlesungen – mit dieser und ähnlichen Aktionen protestieren Studenten in den Niederlanden in dieser Woche gegen die Einsparungspläne der Regierung im Bildungsbereich. Jeweils 24 Stunden lang findet der Studien-Marathon in den drei Hochschulstädten Utrecht, Groningen und Amsterdam statt, mit dem nicht nur die Studenten, sondern auch die Professoren „den Wert einer vitalen akademischen Gemeinschaft unterstreichen“ wollen. Denn von den Regierungsplänen sind Studenten und Hochschulen gleichermaßen betroffen: Rund 3.000 Euro könnte es Studenten demnächst extra kosten, wenn sie mit ihrem Studium mehr als ein Jahr im Verzug sind. Gleichzeitig soll auch für die jeweilige Hochschule der staatliche Finanzbeitrag pro Langzeitstudent gekürzt werden. (NiederlandeNet berichtete) Einsparungen erhofft sich der Staat zudem durch die Abschaffung der Studienbeihilfe in der Masterphase.

Diese stehen nach Ansicht des Vorsitzenden der nationalen Studentengewerkschaft, Sander Breur, jedoch im Widerspruch zu den staatlichen Ambitionen im Bildungsbereich: „Das Kabinett hat die Ambition zu den Top 5 der internationalen Wissensökonomien zu gehören. Zugleich werden in einem Jahr 370 Millionen Euro von den Universitäten und Hochschulen weggeholt.“ Breur befürchtet, dass in Folge der Regierungspläne zukünftig viele Studenten die Universität ohne Abschluss, aber dafür mit hohen Schulden verlassen werden.

Für Aufsehen sorgte heute eine Protestaktion in der Zweiten Kammer. Während einer Parlamentsdebatte über die geplanten Einsparungen im Hochschulbereich zogen sich auf der Besuchertribüne einige Studenten bis aufs letzte Hemd aus, auf dem plakativ geschrieben stand: „Zieht uns nicht aus.“ Die Debatte musste für einige Minuten unterbrochen werden.

Die größte Protestaktion ist für Freitagmittag in Den Haag geplant. Mehr als 11.000 Menschen werden zu einer Demonstration auf dem Malieveld erwartet. Viele Studenten haben von ihren Universitäten frei bekommen, damit sie an der Veranstaltung teilnehmen können. In Amsterdam haben Studenten auch die Freistellung von Examens- und Wiederholungsprüfungen an diesem Tag erzwungen, nachdem sie am Montag das Service- und Informationszentrum der Universität Amsterdam besetzt hatten.