Nachrichten Januar 2011


HANDEL: Niederlande muss sich wieder mehr auf Deutschland ausrichten

Amsterdam. TM/VK. 14. Januar 2011.

Auf einer Preisverleihung des Deutschland-Institutes an der Universität von Amsterdam hat sich Bernard Wientjes, Vorsitzender der niederländischen Arbeitgeberorganisation VNO-NCW, in einer Rede für den Erhalt und weiteren Ausbau der Handelsbeziehungen zum Nachbarland Deutschland ausgesprochen. Deutschland sei weiterhin der wichtigste Handelspartner des Polderlandes und somit für die Wohlfahrt der Niederlande weiterhin sehr wichtig. Auch wenn sich mittlerweile andere Staaten zu neuen Handelspartnern entwickelt haben, sollte man Deutschland nicht vernachlässigen und in die bi-nationale Partnerschaft verstärkt investieren, so Wientjes. Verantwortlich für die in letzter Zeit etwas eingeschlafenen Beziehungen zu Deutschland und somit erneut in der Pflicht seien nach seiner Ansicht viele Akteure: die Politik, die Wirtschaft, aber auch das Bildungssystem.

Oft, so Wientjes, wird behauptet, die niederländische Wohlfahrt hänge von den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China mit ihren enormen ökonomischen Zuwachsraten ab. Betrachtet man sich aber einmal nüchtern die niederländischen Exportzahlen, dann zeigt sich, dass die Ausfuhr nach Deutschland etliche Male größer ist als die in allen BRIC-Staaten zusammen. „Die wirtschaftliche Globalisierung verläuft zu einem wichtigen Teil via Deutschland“. Diese bereits seit Jahren geltende Selbstverständlichkeit, so Wientjes, führt jedoch schnell auch zu Bequemlichkeit und Vernachlässigung. „Wir müssen unsere guten Nachbarn umsorgen […], denn dort liegen unsere ökonomischen Interessen und eine ausgezeichnete Chance, um Europa (weiterhin) zu einem Erfolg zu machen. Wir müssen da permanent dran arbeiten, als Unternehmer, aber auch als Staat oder Politik. Und an der Basis, in Schulen und zwischen Studenten, denn Verständnis ist essentiell für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. “

Laut Wientjes sei das niederländische Bildungsministerium in der Pflicht, Deutschland auf den weiterführenden Schulen und in der Hochschulausbildung wieder stärker zu einem Thema zu machen. „Durch Bequemlichkeit und Mangel an Kenntnis und Empfindlichkeit für Kulturunterschiede“, so Wientjes, „nutzen wir unsere Chancen auf dem deutschen Markt nur suboptimal“. Bei seiner Kritik sparte Bernard Wientjes seine eigene Person und Organisation nicht aus. Auch die Unternehmer hätten in den vergangenen zehn Jahren wenig in die Zusammenarbeit mit ihren deutschen Kollegen investiert. Handelsmissionen hatten vermehrt ferne Länder als Ziel; hier müsste nach Ansicht des niederländischen Arbeitgeberpräsidenten jedoch umgedacht werden.

Und auch die deutsche Seite ließ Wientjes in seiner Kritik nicht unbeachtet. So bezeichnete er das deutsche Arbeitsrecht als „protektionistisch“ und charakterisierte den deutschen Arbeitsmarkt als von unnötigem „bürokratischen Aufwand“ geprägt. Außerdem spielte Wientjes auf die seit Jahren in der Diskussion befindlichen Infrastrukturprojekte hin, welche den Handel zwischen den beiden Nachbarstaaten vereinfachen sollen: „Rotterdam ist freilich der wichtigste Hafen von Deutschland, aber in den Anschluss der Betuwelinie wird wenig Anstrengung gesteckt.“ Wientjes bleibt jedoch optimistisch, dass diese Hürden nach und nach abgebaut werden. Anlass dazu gibt ihm die Ankündigung der niederländischen Regierung, um die Beziehungen zum wichtigsten ökonomischen Partner der Niederlande zukünftig weiter auszubauen und zu verbessern.

Weitere Informationen zum Thema in unseren Dossiers Handel, Transport und Infrastruktur sowie Kulturelle Beziehungen: Niederlande-Deutschland.