Nachrichten Januar 2011


WIRTSCHAFT: Häfen Antwerpen und Rotterdam wollen sich in Duisburg einkaufen

Antwerpen/Rotterdam. TM/DT/FD/VK. 12. Januar 2011.

Die beiden konkurrierenden Seehäfen von Antwerpen und Rotterdam erwägen, im Laufe des Jahres gemeinsam ein Drittel der Anteile des Duisburger Hafens zu übernehmen. Beide Häfen versprechen sich durch die gemeinsame Investition in den europaweit größten Binnenhafen eine Verbesserung ihrer strategischen Position. Die Anteile an der Duisburger Hafengesellschaft Duisport könnten in diesem Jahr frei werden, da die deutsche Bundesregierung den Verkauf ihrer 33-prozentigen Anteile angedacht hat. Berlin wird voraussichtlich im Februar bekannt geben, ob und wie sie sich von ihren Anteilen trennen wird. Die restlichen Anteile an Duisport teilen sich die Stadt Duisburg sowie das Land Nordrhein-Westfalen.

Der Duisburger Hafen bedeutet sowohl für Antwerpen als auch für Rotterdam ein wichtiges Distributionsdrehkreuz im Hinterland. Etwa zehn Prozent der in Rotterdam umgeschlagenen Güter kommt oder geht über das Warendrehkreuz Duisburg. Mit einer Beteiligung erhoffen sich die beiden Häfen, einen größeren Einfluss auf die Duisport-Geschäftsführung und somit indirekt auch auf den Gütertransport nach Deutschland auszuüben: „Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, dort einen Knotenpunkt für unsere Güter zu schaffen“, so der Rotterdamer Hafendirektor Hans Smits gegenüber Het financieele Dagblad. So ist es das gemeinsame Ziel, viel mehr Güter von der Straße zu holen und auf die Schiene bzw. die Flüsse zu bringen – nicht zuletzt um auch die eigene Energiebilanz in Bezug auf Feinstaub und CO2-Ausstoß zu verbessern und die Straßen rund um die beiden Metropolen zu entlasten. Zurzeit wird noch 47,5 Prozent des Containertransports über die Straße abgewickelt.

Bemühungen um eine Kooperation mit der belgischen Seite gibt es von Seiten des Rotterdamer Hafenbetriebs schon längere Zeit, sie wurde von den Vertretern Antwerpens jedoch immer wieder abgewiesen. Die Belgier waren jahrelang wütend über die Weigerung der niederländischen Regierung zur Vertiefung der Westerschelde (NiederlandeNet berichtete). Inzwischen ist die niederländische Regierung jedoch eingelenkt und die Vertiefungsarbeiten wurden Ende 2010 abgeschlossen. „Die Niederlande gönnte seinem Nachbarland nichts, obwohl doch feste Verträge bestanden. Jetzt, wo uns die niederländische Regierung nichts mehr in den Weg legt, können Antwerpen und Rotterdam mit gleichen Waffen am Start erscheinen“, so der Pressesprecher des Antwerpener Hafens.

Hintergrundinformationen zum Thema erhalten sie in unserem Vertiefungstext Handel, Transport und Infrastruktur