Nachrichten Januar 2011


NEUJAHR: Tausende sprangen ins kalte Wasser

Den Haag. AKS/TM/VK. 03. Januar 2011.

Am ersten Tag des neuen Jahres stürzten sich in den Niederlanden beinahe 28.000 Menschen in das eiskalte Wasser der Nordsee. Was sich für manche deutsche Ohren eventuell als Irrsinn anhört, ist in den Niederlanden eine langjährige Tradition: mit dem Nieuwjaarsduik (dt. Neujahrsschwimmen) läuten seit 1959 viele Niederländer und ausländische Besucher das neue Jahr ein. Am diesjährigen Neujahrstag konnten sich die Mutigen an insgesamt 64 Orten in den Niederlanden ins eisige Salzwasser stürzen.

Ursprünglich sollten es in diesem Jahr sogar 81 „Badeorte“ sein, doch aufgrund der Wetterlage musste die Aktion an 17 Plätzen abgesagt werden. In den nördlichen Provinzen wäre die Gefahr einer Unterkühlung im eiskalten Nordseewasser zu groß gewesen. Dennoch spricht der Organisator Unox von einem Rekord in diesem Jahr. Der Lebensmittelhersteller erklärte am Samstag, dass noch nie so viele Menschen am Neujahrsschwimmen teilgenommen hätten. Der Andrang war vor allem in Scheveningen, einem Stadtteil von Den Haag, groß. Dort hatten 10.000 Menschen eine Eintrittskarte für das Ereignis erworben und sich in die Fluten gestürzt.

Abgesagt – allerdings aufgrund „zu hoher Wassertemperaturen“ – wurde hingegen das Neujahrsschwimmen am Strand der Gemeinde Borssele. Mit einer mediengerecht inszenierten Aktion nutzte das Aktionskomitee „Borssele 2 Nee“ die öffentliche Aufmerksamkeit, um gegen das nahegelegene Atomkraftwerk zu demonstrieren und sich gegen den Bau weiterer Atommeiler an der niederländischen Nordseeküste (NiederlandeNet berichtete) auszusprechen. Mit vier Grad sei das Wasser für die rund 30 Umweltaktivisten schlichtweg „zu warm“ gewesen – ein erfrischendes Neujahrsbad sei aufgrund der auf das warme Abwasser des AKW Borssele zurückzuführenden relativ hohen Wassertemperatur somit nicht möglich gewesen.

Die niederländische Tradition des Neujahrsschwimmen geht auf das Jahr 1959 und den Badeort Scheveningen zurück. Es ist vor allem dem inzwischen 81-jährigen Ok van Batenburg zu verdanken, der am Samstag auch den Startschuss für das Schwimmen in Scheveningen geben durfte. Vor genau 52 Jahren wagte Van Batenburg sich mit vier anderen zum ersten Mal an Neujahr ins kalte Wasser. Seitdem ist die Anzahl an Teilnehmern am Neujahrsschwimmen von Jahr zu Jahr gestiegen. Nur dreimal musste das Ereignis seit seinem Entstehen abgesagt werden, zuletzt 2007. Grund: zu schlechtes Wetter. Im Übrigen wird auch an anderen Orten der Welt, dieser für Deutsche eher unüblichen Tradition nachgegangen. So zählt beispielsweise das Neujahrsschwimmen in Kanada zu den Ältesten der Welt.