Nachrichten Februar 2011


BILDUNG: Universitäten wollen Studienbeihilfe abschaffen

Paris. AKS/TR. 25. Februar 2011.

Nach Ansicht der vierzehn staatlich finanzierten Universitäten in den Niederlanden sollten die Studienbeihilfen, die staatlichen Zuschüsse für Studenten, abgeschafft werden. Zudem sollen rund die Hälfte der Studierenden höhere Studiengebühren zahlen. Dies meldet die niederländische Tageszeitung Trouw am heutigen Freitag. Die Zeitung bezieht sich dabei auf Dokumente der Vereinigung der Universitäten (VSNU), der Branchenorganisation der staatlich finanzierten niederländischen Hochschulen, zu denen unter anderem die Universität Utrecht, die Universität Leiden als auch die Universität von Amsterdam zählen. Die besagten Dokumente befinden sich laut der Pressemeldung im Besitz der Zeitung.

Nach Aussage von Trouw berieten sich die Vertreter der Universitäten vor zwei Wochen in einem Fünfsterne-Hotel in Paris über mögliche Sparmaßnahmen. Die Hochschulen reagieren damit auf die geplanten Einsparungen des Kabinetts Rutte im Bildungsbereich. Das Kabinett sieht unter anderem vor, Studierenden eine Geldbuße in Höhe von 3.000 Euro aufzuerlegen, wenn sie mit ihrem Studium mehr als ein Jahr im Verzug sind. Zudem sollen durch die Abschaffung der Studienbeihilfe in der Masterphase Einsparungen erzielt werden (NiederlandeNet berichtete).

Die Universitäten wollen nach dieser neuen Meldung bei den Sparmaßnahmen im Bildungsbereich schärfer vorgehen als das Kabinett: Durch die generelle Abschaffung der Studienbeihilfe, will die VSNU erreichen, dass alle universitären Studenten in Zukunft ein Darlehen aufnehmen müssen, um ihr Studium finanzieren zu können. Den Studierenden, die ihr Studium schnell absolvieren, soll allerdings eine Vergünstigung ihres Darlehens gewährt werden. Weiterhin sollen die Studiengebühren für Studierende, für welche die Hochschulen keine staatliche finanzielle Unterstützung erhalten, erhöht werden. Nach Aussage der Universitäten handelt es sich dabei um 44 Prozent aller Hochschüler. Die Hochschulen wollen dabei selber entscheiden, in welcher Höhe der Studienbeitrag für diese Studierenden angesetzt werden soll. Derzeit liegt dieser Beitrag bei einigen Hochschulen bereits bei 5.000 bis 15.000 Euro. Betroffen hiervon sind unter anderem auch die Langzeitstudenten. Eine weitere Maßnahme der VSNU ist ein allgemeiner „Studentenstopp“ im Jahr 2012. Die Anzahl Studierender soll sich demnach an den staatlichen Hochschulen ab diesem Jahr nicht mehr erhöhen. Sollten sich mehr Studenten als vorgesehen einschreiben wollen, so werden diese an die Fachhochschulen weiterverwiesen. Diese Maßnahme soll „eine große Verschiebung im Studentenstrom“ auslösen, wie in Trouw zu lesen ist.

Bisher haben noch nicht alle Universitäten die Pläne unterzeichnet – aus dem Pariser Bericht geht jedoch deutlich hervor, dass „die grundlegend beschlossenen Maßnahmen auf große Zustimmung treffen“. Morgen sollen die Überlegungen weitergehen. Zuvor hatte die VSNU die Besorgnis geäußert, dass die Einsparungen des Kabinetts Rutte zu Zwangsentlassungen im Universitätsbereich führen würden. Wie Trouw heute berichtet, scheinen die Pläne der VSNU eine Alternative zu diesen Entlassungen zu sein.