Nachrichten Februar 2011


TIERSCHUTZ: Verbot des rituellen Schlachtens?

Den Haag. CK/NRC/VK/TR. 17. Februar 2011.

Tierschutz versus Religionsfreiheit – dieses Dilemma beschäftigt zurzeit das niederländische Parlament. Anlass dafür ist ein Gesetzesantrag der Fraktionsvorsitzenden der „Partei für die Tiere“ (PvdD) Marianne Thieme, mit dem diese das rituelle Schlachten ohne Betäubung verbieten möchte. Generell ist das Schlachten ohne Betäubung in den Niederlanden schon länger verboten, für religiöse Zwecke besteht jedoch eine Ausnahmeregelung. Diese möchte die PvdD nun auch auf Eis legen, um ein unnötiges Leiden der Tiere zu verhindern.

Ob die kleine Partei dafür jedoch die Mehrheit der Zweiten Kammer gewinnen kann, ist indes fraglich. Zwar werden die Tierschützer von D66, GroenLinks, SP und der PVV unterstützt, in den meisten Parteien herrscht jedoch eher Zurückhaltung und Ablehnung. Nicht nur christlich-konservative Parteien wie der CDA und ChristenUnie halten ein Verbot nicht mit der Religionsfreiheit vereinbar: „Viele Moslems und Juden werden zutiefst verletzt, wenn wir das Schlachten nach religiösen Vorschriften verbieten,“ so CDA-Mitglied Henk Jan Ormel. Auch in Kreisen der liberalen VVD und der Sozialdemokraten sucht man nach Wegen, um das Leid der Tiere zu vermindern, ohne die Religionsfreiheit anzutasten.

Die Diskussion sorgt derweil auch im Ausland für Aufmerksamkeit. In einem Schreiben forderte das jüdisch-amerikanische Simon Wiesenthal-Zentrum, das auf die Aufspürung von NS-Verbrechern spezialisiert ist, jüngst einige Parlamentsparteien – darunter auch Geert Wilders PVV – dazu  auf, gegen die Gesetzesinitative zu stimmen.  Das Zentrum hält ein Verbot des Schächtens insbesondere aus historischen Gründen für heikel. In den 1930er Jahren hatten die Nationalsozialisten den Juden das rituelle Schlachten aus Schikane untersagt. Ein Verbot würde, so der Vizedekan des Zentrums, Rabbiner Abraham Cooper, „weh tun und beleidigen“.