Nachrichten Februar 2011


BILDUNG: Studenten wandern nach Flandern ab

Amsterdam. AKS/VK. 08. Februar 2011.

Die Universitäten in der belgischen Region Flandern erwarten ab dem kommenden Studienjahr einen Zustrom an niederländischen Studenten. Dies berichtete die niederländische Tageszeitung de Volkskrant in der vergangenen Woche. Demnach wird erwartet, dass niederländische Studierende für ihr Masterstudium zukünftig bevorzugt in das südliche Nachbarland zum Studieren gehen. Grund hierfür sei laut des Berichts die umstrittenen Pläne der Regierung Rutte, gegen welche bereits erheblich protestiert wurde (NiederlandeNet berichtete).

Die Maßnahmen des niederländischen Kabinetts sehen dabei vor, dass Masterstudenten ab dem Studienjahr 2011 keine Ausbildungsförderung mehr erhalten sollen. Zudem soll ein zweites Masterstudium ab dem nächsten Jahr 14.000 Euro jährlich kosten. Auch Langzeitstudierende sind von den Plänen betroffen: Für mehr als ein Jahr Studienüberziehung soll den Studenten eine Geldbuße von 3.000 Euro auferlegt werden. In Flandern, der niederländischsprachigen Region in Belgien, betragen die Studiengebühren lediglich 570 Euro pro Jahr. Geldbußen für Langzeitstudierende werden zudem nur in Ausnahmefällen verhängt, was die Region als Studienstandort äußerst attraktiv macht.

Wie Ludo Melis, Vizedirektor Bildungspolitik der Katholischen Universität Leuven, gegenüber de Volkskrant erklärte, nimmt die Zahl der niederländischen Studenten in Flandern in den letzten Jahren stetig zu. Da die flämische Regierung für jeden Studierenden – auch für ausländische Studenten – einen finanziellen Beitrag an die Universitäten bezahlt, sind Studenten aus anderen Ländern gern gesehen. Die Katholische Universität Leuven wirbt daher auch aktiv im Ausland.  

Doch nicht alle scheinen von dem Zustrom niederländischer Studenten so angetan zu sein. Ein Sprecher der Universität Antwerpen gab gegenüber de Volkskrant zu verstehen, dass sie aus Angst vor Langzeitstudenten keine aktive Werbung in den Niederlanden machen würden. Zumal das Gefühl besteht, dass eher zweitrangige Studenten nach Belgien zu kommen scheinen.

Neben den Plänen für die Kostenerhöhung könnte demnächst auch ein weiterer Faktor bei der Wahl des Studienplatzes eine Rolle spielen. Den neusten Meldungen zufolge dürfen Universitäten ab sofort strenger bei der Zulassung von Studenten selektieren. Dies bedeutet, dass Schüler mit einem hochwertigen Abschluss nicht mehr automatisch einen Platz an einer Universität erhalten. Zudem dürfen Universitäten Schulabsolventen, die den berufsbildenden Sekundarunterricht der Oberstufe besucht haben, ablehnen.

Dennoch soll das Studieren attraktiver gestaltet werden. Studierenden sollen nach Ansicht von Bildungsstaatssekretär Halbe Zijlstra mehr Wahlmöglichkeiten eröffnet werden: dies beispielsweise durch neue zweijährige Studiengänge an den sogenannten Hogescholen, welche etwa mit den Fachhochschulen in Deutschland vergleichbar sind. Zudem sollen die Hogescholen für Gymnasiasten attraktiver gemacht werden: herausragenden Studenten sollen mehr Programme geschaffen werden. Eine weitere Neuerung, die Zijlstra plant, ist, den Unterschied in der Wertung der Abschlüsse zwischen Universitäten und Hogescholen abzuschaffen, sodass der Abschluss eines Absolventen einer Hogeschool im Ausland besser eingeschätzt werden kann.