Nachrichten Februar 2011


DIPLOMATIE: Botschafter aus Teheran zurückbeordert

Den Haag/Amman/Teheran. AKS/RNW/TR/VK. 07. Februar 2011.

Der niederländische Außenminister Uri Rosenthal hat den niederländischen Botschafter aus der iranischen Hauptstadt Teheran zurückbeordert. Damit reagiert Rosenthal auf die jüngsten Ereignisse in der Entwicklung rund um die Exekution der niederländischen Iranerin Zahra Bahrami vor einer Woche (NiederlandeNet berichtete). Nach den neuesten Meldungen wurde Bahrami gestern an einem 400 Kilometer von Teheran entfernten Ort ohne Beisein ihrer Familienangehörigen begraben. Dies berichtete die iranische Menschenrechtsorganisation Hradi am gestrigen Sonntag der Nederlandse Wereldomroep, dem Auslandsdienst des niederländischen Rundfunks.

Die Menschenrechtsorganisation hatte diesbezügliche Informationen von Bahramis Tocher erhalten. Nach Aussage der Tochter hatten iranische Behörden sie über die Beerdigung ihrer Mutter zwar in Kenntnis gesetzt, aufgrund der großen Entfernung war es aber weder ihr noch einem anderen Familienmitglied möglich, rechtzeitig zu der Beerdigung zu gelangen. Hradi zieht nun die Schlussfolgerung, dass Bahrami nicht wie angegeben aufgrund ihrer Drogendelikte exekutiert worden ist, sondern aus politischen Gründen. Nach Aussage eines Sprechers von Hradi würden die Leichname politischer Gefangener niemals den Familien überstellt werden, um so eine Politisierung und mediale Ausschlachtung von Beisetzungen zu verhindern. Eine andere Vermutung ist, dass durch die unangemeldete Beerdigung weitere Untersuchungen zur Todesursache vermieden werden sollten, wie in der Tageszeitung Trouw berichtet wird. In der vergangenen Woche waren Gerüchte aufgekommen, dass Bahrami zu Tode gefoltert wurde, anstatt wie angegeben durch Erhängung verstarb.

Bahramis Familie hatte direkt nach der Bekanntmachung des Todes der niederländischen Iranerin die Aushändigung der sterblichen Überreste beantragt. Rosenthal hatte daraufhin die Unterstützung dieses Antrags zugesichert, auch um die genaue Todesursache der 45-Jährigen klären zu können. Der Außenminister erklärte nun, die Tatsache, dass Bahramis Tochter nicht an der Beisetzung ihrer Mutter teilnehmen konnte, „kennzeichnet den Charakter dieses Regimes“. Da die Untersuchung der genauen Todesursache nun nicht mehr möglich ist, hat Rosenthal heute bekanntgegeben, den niederländischen Botschafter aus Teheran zurückzubeordern. Schon nach der Meldung der Exekution Bahramis hatte Rosenthal alle Beziehungen zum Iran eingefroren. Zudem hatte er zugesagt, den Botschafter „im passenden Moment“ aus Teheran abzuberufen – Rosenthal hatte aber noch abwarten wollen, um der Familie Bahramis weiteren Beistand leisten zu können und andere Gefangene mit niederländisch-iranischer Staatsbürgerschaft im Iran nicht zu gefährden. Rosenthal, der sich im Moment auf einer Nahost-Reise in der jordanischen Hauptstadt Amman befindet, erteilte dem niederländischen Botschafter vor seiner Reise in die Niederlande den Auftrag, scharfen Protest bei den iranischen Behörden gegen „das respektlose Auftreten der Iraner gegenüber den Hinterbliebenen Bahramis“ zu erheben. Am kommenden Donnerstag wird Rosenthal den Botschafter in Den Haag treffen und sich mit ihm beraten.