Nachrichten August 2011


BILDUNG: Niederlande bei deutschen Studierenden sehr beliebt

Den Haag/Berlin. AF/VK/nuffic.nl/transfer/Zeit Online. 09. August 2011.

Räumliche Nähe, konkurrenzlose Studienangebote, kein Numerus clausus, kleinere Lerngruppen und gute Betreuung – dies sind nur ein paar der Gründe, die viele  junge Deutsche dazu bewegen niederländische Studienangebote in der Grenzregion zu wählen (siehe Vertiefungstext Studieren in den Niederlanden).

Laut der jüngst veröffentlichten Studie Mapping Mobility 2011 der Nuffic (Niederländische Organisation für Internationale Zusammenarbeit im Hochschulunterricht) stellen die Deutschen die größte Gruppe der ausländischen Studierenden in den Niederlanden. Und ihre Zahl ist die letzten fünf Jahre kontinuierlich gestiegen. Waren es im Studienjahr 2006-07 nur ca. 14.000 Deutsche, die in Regelstudiengängen in den Niederlanden eingeschrieben waren, so lag ihre Zahl im Studienjahr 2010-11 bei knapp 24.000. Damit sind die Deutschen die mit Abstand größte Gruppe von ausländischen Regelstudierenden in den Niederlanden. Die zweitgrößte Gruppe, Studierende aus China, zählten 2010-11 nur rund 4.000 Kommilitonen.

Diese große Anzahl deutscher Studenten an niederländischen Universitäten stößt nicht nur auf Gegenliebe. „Ich sehe keinen einzigen Grund dafür, deutsche Studierende darin zu bestärken, hierherzukommen, um auf Kosten der niederländischen Regierung zu studieren. Mit Internationalisierung hat das wenig zu tun.“, so Ferdinand Mertens, ehemaliger Spitzenbeamter des niederländischen Bildungsministeriums bereits vor dem Erscheinen der neuesten Studie gegenüber der Nuffic-Publikation transfer im April 2011. Ironischerweise hatte Mertens während seiner Zeit im Bildungsministerium in den 1990er Jahren den grenzüberschreitenden Studierendenaustausch vorangetrieben. 1996 erhielt er von der deutschen Regierung sogar das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement in Sachen deutsch-niederländische Bildungszusammenarbeit.

Anders als bei Studierenden, die nur einen Teil ihres Studiums in den Niederlanden absolvieren, müssen ausländische Regelstudenten zwar auch Studiengebühren in den Niederlanden bezahlen, doch diese decken nicht die gesamten Kosten eines Studiums. Die niederländische Regierung unterstützt deshalb Universitäten und Hochschulen pro Student mit ca. 6.000 Euro. Jeder weitere Student bedeutet eine prozentuelle Steigerung des Budgets. „Die Institute haben natürlich ein Interesse daran, so viele Studierende wie möglich anzuziehen. Doch der Import dieser Studenten wird aus der Staatskasse bezahlt“, so Mertens Kritik. Er fordert, dass in Zukunft das Herkunftsland für seine Studierenden aufkommen muss. In Skandinavien funktioniere die Methode „Geld folgt Student“ schließlich auch.

Auch in anderen Ländern versucht man inzwischen die deutschen Studierenden 'draußen' zu halten. Wie Zeit Online unlängst berichtete, möchten die Schweizer Universitäten Zürich und St. Gallen ab dem kommenden Wintersemester die Studiengebühren für ausländische Studierende um z.T. fast das Doppelte erhöhen während die Studiengelder für Schweizer Studierende gleich bleiben. In Österreich wurde 2007 bereits eine Quote für das Fach Medizin eingeführt: Nur noch 20 Prozent der Plätze dürfen an EU-Ausländer gehen. Allesamt problematische Maßnahmen, denn laut EU-Vertrag ist der Unizugang europaweit unbegrenzt.

In den Niederlanden wurden bisher noch keine weiteren Stimmen laut, die eine Eindämmung der deutschen Studierendenzahlen fordern. Ob mit der Änderungsplänen an den Schweizer Unis dieses Wintersemester auch in den Niederlanden über Änderungen nachgedacht wird, bleibt also abzuwarten.