Nachrichten August 2011


KULTUR: Museum plant Verkauf von Afrika-Kollektion

Rotterdam. AKS/VK. 09. August 2011.

Das völkerkundliche Weltmuseum in Rotterdam plant laut eines Berichts der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant, Teile seiner Kollektion zu verkaufen. Das Museum erhofft sich bei diesem Verkauf, bei welchem unter anderem auch die Sammlung der Afrika-Kollektion des Museums angeboten werden soll, zusätzliche Einnahmen von 60 Millionen Euro. Gegen diese Pläne hat sich nun die Stiftung für völkerkundliche Sammlung der Niederlande (SVCN) ausgesprochen. In einem Brandbrief an Ahmed Aboutaleb (PvdA), den Bürgermeister Rotterdams, bitten sie ihn die Pläne des Weltmuseums nicht zu unterstützen. Die Gemeinde Rotterdam ist der eigentliche Eigentümer der Kollektion.

Nach Ansicht der SVCN würde ein derartiger Verkauf einen nicht wiedergutzumachenden Schaden des niederländischen kulturellen Erbguts bedeuten. Steven Engelsman, Vorsitzender der SVCN und Direktor des Völkerkunde Museums in Leiden – einem Partnermuseum des Weltmuseums in Rotterdam – erklärte des Weiteren, dass ein Gespräch mit dem Weltmuseum unmöglich geworden sei. Daher habe sich die Stiftung an die Stadt gewandt. „Andere Museen können keine 60 Millionen Euro aufbringen. Die Kollektion würde in den Besitz von Händlern gelangen,“ so Engelsman.

In den Augen von Stanley Bremer, Direktor des Weltmuseums in Rotterdam, ist die Kritik der SVCN jedoch nicht angebracht. Der geplante Verkauf hängt vor allem mit den Einsparungsplänen der Regierung zusammen, erklärte Bremer. Diese Pläne belaufen sich auf Sparmaßnahmen im Wert von rund 200 Millionen Euro (NiederlandeNet berichtete). In einer Zeit harter Sparmaßnahmen müssen andere Lösungen gesucht werden, so Bremer. Vor allem der Fakt, dass Museen im kommenden Jahr 17,5 Prozent ihrer Einkommen aus eigenem Umsatz stellen müssten, sei hier von Bedeutung. Obwohl das Weltmuseum derzeit 40 Prozent aus eigenem Umsatz aufbringen würde, sei es nicht sicher, ob dies auch so bleibe. „Das kann sich auch schnell wieder ändern. Wir lehnen uns nicht zurück, sondern bereiten uns auf eine schwierige Zeit vor. Das sollten andere auch tun.“ Konkret plant das Weltmuseum in Rotterdam eine inhaltliche Neuausrichtung mit Schwerpunkt Asien. Durch die Einnahmen des Verkaufs der Afrika-Sammlung soll dieses Vorhaben ausgebaut werden. Dadurch erhofft sich das Museum auch unabhängiger von staatlichen Zuschüssen zu werden.

Stanley Bremer erläutere darüber hinaus, dass der geplante Verkauf gemäß der Vorgaben der Leitlinie für den Verkauf musealer Objekte (LAMO) und der durch niederländische Museen aufgestellten ethischen Richtlinie durchgeführt werden wird. SVCN-Vorsitzender Engelsman schenkt Bremers Aussage zwar Glauben, ist dennoch der Überzeugung, dass sich der Verkauf im Grunde gegen den Grundgedanken dieser Verordnungen richtet: „Die Richtlinie soll unter anderem dafür sorgen, das kulturelle Erbgut für die Niederlande zu wahren. Nun droht genau das Gegenteil zu passieren.“