Nachrichten April 2011


BILDUNG: „Actiegroep“ will Image der deutschen Sprache verbessern

Amsterdam/Den Haag. TM/DNHK/DLF/dT/duitslandweb.nl/TC. 28. April 2010.

Vor gut zwei Monaten sorgte eine Studie des Deutschlandinstituts Amsterdam (DIA) in den Niederlanden wie Deutschland für Aufmerksamkeit. Die Forscher dort stellten fest, dass es in den Niederlanden immer weniger Schüler gibt, die in der Schule Deutsch lernen und das Unterrichtsfach so aktuell ein Nischendasein fristet. Die Rede war von einem „besorgniserregenden Zustand“, da die deutsche Sprache in den Augen der meisten Schülerinnen und Schüler eine Art „Geschäftsimage“ besitzt und somit nur wenig populär ist. Neben dem sprachlichen Aspekt spiegelt sich dies letztendlich auch in einem zunehmenden Desinteresse an der deutschen Kultur wieder (NiederlandeNet berichtete). Viele Schüler in den Niederlanden wählen Deutsch heute nach nur zwei Jahren ab und im Deutschunterricht wird mehrheitlich nur noch Niederländisch gesprochen. An den Unis schreiben sich zudem aktuell nur noch weniger als hundert Studierende pro Jahr für Deutsch als Haupt- oder Nebenfach ein. Aus diesem Anlass ist jetzt eine Art Task Force eingerichtet worden, welche die Popularität der deutschen Sprache in den Niederlanden erhöhen möchte.

Angesichts der Tatsache, dass Deutschland der mit Abstand größte und wichtigste Handelspartner des größtenteils auf Im- und Export orientierten Niederlande ist, bereiteten die Ergebnisse der Studie vielen Akteuren in den Niederlanden Sorge. So befürchtete etwa die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) in Den Haag durch das diagnostizierte rückläufige Interesse für die deutsche Sprache und Kultur gravierende Auswirkungen für niederländische Betriebe: Im Jahr 2010 exportierten die Niederlande für fast 90 Milliarden Euro nach Deutschland. Durch die mangelnden Deutschkenntnisse entgehen der niederländischen Ökonomie nach Aussage der Studie jährlich jedoch bis zu acht Milliarden Euro an Einnahmen. „Kenntnisse von der deutschen Sprache und Kultur sind nicht allein in der Logistikbranche oder bei Baubetrieben, welche Aufträge in Deutschland ausführen, erforderlich, sondern auch auf dem breiten Feld der Dienstleistung: Von Anwaltskanzleien und Banken bis hin zu Architektenbüros und dem Gesundheitssektor – fast überall kommt man mit deutschen Kunden oder Partnern in Kontakt“, so Lars Gutheil von der DNHK.

Dem diagnostizierten Missstand möchte man jetzt an die Wurzel gehen und hat zu diesem Zweck die „Actiegroep Duits“ ins Leben gerufen – ein Zusammenschluss des DIA, der DNHK, der deutschen Botschaft in Den Haag sowie dem Goetheinstitut in den Niederlanden. Gemeinsam wurde beschlossen, mit verschiedenen Aktionen zukünftig für eine größere Beliebtheit und Attraktivität der deutschen Sprache hinzuarbeiten. Deutsch ist keine hippe Sprache, so DIA-Professor Ton Nijhuis gegenüber dem Deutschlandfunk: „Das Problem ist, dass Deutsch ein Image hat von einer Handelssprache. Es ist nicht sexy im gewissen Sinn und hat nicht die Idee von Spanisch oder Französisch, die etwas Exotisches haben.“

Aus diesem Grund soll es zukünftig – und erstmals 2012 – einen „Tag der deutschen Sprache“ geben, auf dem von Gemeinden, Schulen oder Betrieben eine Vielzahl von Aktionen rund um das Thema deutsche Sprache organisiert werden soll. Bereits im Vorfeld sollen sich Schulen hierzu mit konkreten eigenen Projekten für einen „Preis der deutschen Sprache“ bewerben, welcher an diesem Tag an eine Schule überreicht werden soll. Um zu zeigen, was man mit Deutsch alles machen kann, wird man bereits im Vorfeld ein sogenanntes Deutschlandmobil einsetzen, welches in den ganzen Niederlanden unterwegs sein wird. Unterdessen möchte die Actiegroep durchsetzen, dass innerhalb des Deutschunterrichts – etwa durch Austausche, Klassenfahrten und Gastdozenten – viel mehr Wissen über das Land vermittelt wird. Man hofft, hierfür auch Schlüsselfiguren aus den Bereichen Politik, Unternehmen und dem Kultursektor gewinnen zu können. Bis dies soweit ist, soll der Deutschunterricht zukünftig auch möglichst ausschließlich auf Deutsch abgehalten werden. Laut Rainer Manke, Vorsitzender der Sprachabteilung beim Goethe Institut, stehen die geplanten Maßnehmen der Actiegroep nicht in Konkurrenz zu bereits bestehenden Initiativen: „Sie soll diese grade noch mehr stimulieren und muss zu allererst ein besseres Marketing für die deutsche Sprache auf gesellschaftlichem, ökonomischen und politischem Gebiet leisten“, so Manke in einer Pressemitteilung der Actiegroep Duits.