Nachrichten April 2011


STAATSBESUCH: Königin informiert sich über das „neue Berlin“

Berlin. AKS/berlin.de/digitalconcerthall.com/NOS. 14. April 2011.

Am zweiten Tag des insgesamt viertägigen Staatsbesuches von Königin Beatrix, Kronprinz Willem-Alexander und seiner Ehefrau Prinzessin Maxima machte das Wetter dem geplanten Programm einen Strich durch die Rechnung. Der für den Morgen vorgesehene obligatorische Gang durch das Brandenburger Tor musste aufgrund zu schlechter Wetterbedingungen abgesagt werden. Stattdessen erläuterte Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dem königlichen Besuch die Geschichte der Stadt. Beeindruckt zeigte sich der deutsche Politiker von den präzisen Fragen, dem Vorwissen und dem Interesse der niederländischen Monarchen an der Stadtgeschichte Berlins. Während des anschließenden Besuchs der Aussichtsplattform im Fernsehturm am Alexanderplatz konnte die königliche Gesellschaft die frühere Grenze zwischen Ost- und Westberlin nachvollziehen. Zwar war die Sicht, die normalerweise bis zu 40 km weit reicht, auf 15 km beschränkt, dennoch war der Verlauf der ehemaligen Mauer für die niederländische Delegation gut auszumachen.

Der restliche zweite Tag des Staatsbesuches stand ganz im Zeichen des „neuen Berlins“. Besonders interessiert war die Königin dabei an den Erfahrungen der jungen deutschen Generation. So trafen sich insgesamt 15 Jugendliche und junge Erwachsene der „Generation Einheit“ mit Ihren Majestäten am Mittag zum Lunch. Wie der niederländische Botschafter in der Bundesrepublik, Marnix Krop, erklärte, sei das wiedervereinte Deutschland für die „Generation Einheit“, die kurz vor oder nach dem Mauerfall geboren wurde, eine Selbstverständlichkeit. Für die zuvor Geborenen sehe die Realität allerdings noch ein wenig anders aus: „Auf internationaler Ebene spricht Deutschland zweifellos mit einer Stimme. Die innere Einheit braucht noch etwas länger Zeit“, so Krop. Während des Essens, bei welchem auch Bundespräsident Christian Wulff und seine Gattin Bettina teilnahmen, zeigte die Königin ein besonderes Interesse an den Erfahrungen der jungen Leute und an ihrer Sicht auf Deutschland in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wie der 19-Jährige Sascha Dominic Rutzen aus Wanne-Eickel in der deutschen Presse zitiert wird, sei die niederländische Monarchin  dabei äußerst humorvoll gewesen und habe die Stimmung mit lustigen Kommentaren aufgelockert: „Die Königin hat sich schon vor dem Essen um uns gekümmert und uns Getränke angeboten, damit wir nicht so steif herumstehen“, berichtete der junge Mann im Anschluss.

Besonderes Interesse zeigte das niederländische Staatsoberhaupt außerdem am sozialen Projekt „Mitmachzirkus“ der Europaschule Herman-Nohl im Berliner Problembezirk Neukölln. Wie Bürgermeister Klaus Wowereit gegenüber den Medien erklärte, sei dieses Interesse für einen Staatsgast eher ungewöhnlich. Die Königin wollte dabei einen Einblick darüber erhalten, wie Zuwandererkindern aus sozial schwachen Familien konkrete Hilfe gegeben werden kann. Der „Mitmachzirkus“ sei dafür ein gutes Beispiel, so Wowereit. Die Grundschüler und Nachwuchsartisten der Europaschule, die einen Migrantenanteil von rund 70 Prozent aufweist, boten dabei orientalische Kunststücke und Impressionen dar. Wie Zirkusdirektor Gerhard Richter der niederländischen Königin erläuterte, bedeute der Besuch den Kindern sehr viel: „Das wird den Kindern viel geben für ihr Leben. Sie sind alle so, so stolz darauf, dass Sie heute hier waren, Majestät.“

Zum Ausklang des gestrigen zweiten Tages des Staatsbesuches lud Königin Beatrix zu einem Konzert des Koninklijk Concertgebouworkest aus Amsterdam in der Berliner Philharmonie ein. Unter Leitung des Chefdirigenten Mariss Jansons spielte das Orchester gemeinsam mit der niederländischen Violin-Solistin Janine Jansen zwei Werke von Brahms und Mendelssohn. Das Concertgebouworkest wurde nach seiner Gründung im Jahr 1888 (seit 1988 ist es königlich) international als eines der besten Klangkörper bekannt und zählt seither zu den bedeutendsten Orchestern weltweit.

Am heutigen Donnerstag wird die Königin ihren Besuch in Dresden fortsetzen, wo sie nicht nur die wiederaufgebaute Frauenkirche, sondern auch den historischen Stadtkern während eines Spaziergangs besichtigen wird. Der Spaziergang endet dann im Historischen Grünen Gewölbe, der Schatzkammer der sächsischen Kurfürsten. Nach einem anschließenden Besuch des Unternehmens „Solarwatt“ wird die königliche Gesellschaft an dem Seminar mit dem Titel „Innovation für saubere Energie“ auf dem Fraunhofer-Campus teilnehmen. Der Tag endet mit einem Besuch der Tanzakademie „Palucca“.