Nachrichten April 2011


STAATSBANKETT: Ein Toast auf die gute Freundschaft

Berlin. TM/BPA/NOS/RVD. 13. April 2011.

Zwischen Deutschland und den Niederlanden besteht eine besondere Beziehung – dies wurde auch beim Staatsbankett überdeutlich, welches Bundespräsident Christian Wulff gestern Abend anlässlich des Staatsbesuchs der niederländischen Königin Beatrix in dieser Woche gegeben hatte. So fielen die Worte, welche die beiden Staatsoberhäupter in ihren Tischreden  aneinander und an die geladenen Gäste richteten, dann auch besonders herzlich aus. Weit über die üblichen diplomatischen Gepflogenheiten hinaus lobten der Bundespräsident und die Königin die gegenseitigen Beziehungen beider Nachbarländer. Wörter wie Freunde oder Freundschaft, Partner oder Vorbild sowie Hinweise auf die „besonderen Beziehungen“ beider Länder wurden dann auch verstärkt verwendet.

In ihrer Tischrede kam die niederländische Monarchin zu Beginn auf die sehr guten persönlichen Beziehungen ihrer Familie zu Deutschland zu sprechen, welche sie in der Vergangenheit schon oftmals zu offiziellen und inoffiziellen Besuchen in das Nachbarland geführt hatte. Besonders in Erinnerung geblieben war Beatrix dabei der Offizielle Besuch an Deutschland im Jahr 1991. Die niederländische Königin war seinerzeit gemeinsam mit ihrem verstorbenen Gatten Prinz Claus das erste Staatsoberhaupt, welches nach der deutschen Wiedervereinigung die fünf neuen Bundesländer besuchte. Nun, knapp 20 Jahre später, sei es für die niederländische Monarchin „erstaunlich, wie viel in dieser Zeit im Hinblick auf das mentale, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenwachsen erreicht worden ist“. Insgesamt sei diese Entwicklung in den Niederlanden „mit Interesse und Bewunderung verfolgt worden“. Heute sei Deutschland nach Aussage der Königin „die treibende Kraft bei der Wahrung und Stärkung der Stabilität in Europa“ und sich durchaus seiner Verantwortung innerhalb der Europäischen Union bewusst. Deutschland, so Beatrix, erweckt momentan vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet Eindruck. Sei es die jüngste Bewältigung der Finanzkrise oder etwa die vielen Innovationsleistungen Deutschlands auf dem Gebiet von Nachhaltigkeit, Klimaschutz oder Energieeffizienz – in vielen Bereichen ist der östliche Nachbar den Niederlanden ein „inspirierendes Vorbild“. Durch die starke ökonomische Verflechtung beider Länder ist der wirtschaftliche Erfolg des einen automatisch auch der des anderen Partners.

Fernab von der ökonomischen Verflechtung beider Staaten betonte Königin Beatrix, dass die guten bilateralen Beziehungen ebenfalls der Tatsache zu verdanken seien, „dass wir dieselben Werte miteinander teilen und hochhalten“. Als konkretes Beispiel nannte Beatrix „die Wahrung der Toleranz in einer immer komplizierteren Gesellschaft und die Weitervermittlung unserer fundamentalen Werte an kommende Generationen“, für die man sich in den Niederlanden stark einsetzt. In diesem Zusammenhang verwies die Königin auf die von Bundespräsident Wulff am 20. Jahrestag der Wiedervereinigung im Oktober letzten Jahres in Bremen gehaltene Rede, in der dieser darauf hingewiesen hatte, dass der Islam heutzutage einen festen Platz in der deutschen Gesellschaft habe. Das niederländische Staatsoberhaupt ließ somit auf sehr diplomatische Art und Weise indirekt wissen, dass sie mit Wulff einer Meinung ist und für Toleranz und Integration eintritt.

Im letzten Teil Ihrer Tischrede kam die Monarchin auf konkrete deutsch-niederländische Projekte und Kooperationen zu sprechen: „Wo früher Grenzen Menschen trennten, scheinen sie sie heute eher zu verbinden.“ Konkret nannte die Königin die fünf länderübergreifenden Regionalverbände (Euregios), die im deutsch-niederländischen Grenzgebiet heute nicht mehr wegzudenken sind. Nicht zuletzt durch die von den Euregios angestoßenen Kooperationen im Grenzgebiet, konnte sich eine immer weiter gehende Zusammenarbeit über die Grenze hinweg entwickeln. In diesem Zusammenhang zeigte sich Königin Beatrix stellvertretend für ihr Land „nach wie vor dankbar für die schnelle Hilfe, die in diesem Rahmen von den deutschen Nachbarn bei der Feuerwerkskatastrophe in Enschede und den Überschwemmungen, von denen unser Land in jüngster Vergangenheit getroffen wurde, geleistet worden ist“. Ebenfalls Erwähnung fanden im Bereich der grenzüberschreitenden Kooperation etwa die militärische Zusammenarbeit beim Ersten Deutsch-Niederländischen Korps oder die vielen grenzüberschreitenden Netzwerke im Wissenschaftsbereich.

Neben der niederländischen Königin lobte auch Bundespräsident Wulff in seiner Tischrede die heute ausgezeichneten Beziehungen zwischen beiden Ländern. Er erinnerte dabei aber auch auf die Zeit des Zweiten Weltkrieges und betonte, dass „das Unglück, das viele Niederländer während der deutschen Besatzung erlitten haben und die zahlreichen Zerstörungen […] ein tiefer Einschnitt in unsere gemeinsame Geschichte“ seien. Für die von den Niederländern entgegengebrachte Bereitschaft zur Versöhnung zeigte sich der Bundespräsident dankbar. Über die heute erreichte „hohe Qualität der deutsch-niederländischen Beziehungen“, welche laut Wulff auch und besonders dem persönlichem Engagement von Königin Beatrix geschuldet ist, könne man „gemeinsam stolz sein“.

Die kompletten Tischreden von Königin Beatrix und Bundespräsident Wulff