Nachrichten April 2011


AMOKLAUF: Die Niederlande trauern

Den Haag. TM/NOS/TR/VK. 11. April 2011.

Ein 24-jähriger Mann hat am Samstagmittag im Einkaufszentrum „De Ridderhof“ in der westniederländischen Gemeinde Alphen aan den Rijn ein Blutbad angerichtet und sechs Menschen und anschließend sich selbst getötet. Der junge Tristan van der V. betrat kurz nach 12 Uhr die Ladenpassage mit insgesamt drei Waffen und schoss etwa zehn bis 20 Minuten um sich auf Passanten, bevor er anschließend sich selbst richtete. Insgesamt fielen aus den Waffen des jungen Mannes, welche allesamt auf ihn zugelassen waren, über hundert Schüsse. Obwohl die Polizei das komplette Gelände relativ schnell absperren und evakuieren konnte, schafften es drei Männer (80, 49 und 42 Jahre) und drei Frauen (91, 68 und 45 Jahre) nicht, dem Täter zu entkommen. In der rund 70.000 Einwohner zählenden Gemeinde herrscht seitdem tiefe Trauer. Am gestiegen Sonntag gedachten mehrere tausend Menschen mit Blumen und Kerzen den Opfern des Amoklaufes.

Wie jetzt nach und nach ans Licht kommt, hatte der junge Täter bereits im Jahr 2006 Selbstmordgedanken gehabt, wonach er zehn Tage in einer geschlossenen Klinik untergebracht wurde. Auch ist der 24-Jährige einmal wegen Belästigung aktenkundig geworden – weiterhin war Tristan van der V. den Behörden jedoch kein Begriff. Auch wurde bekannt, dass der Amokläufer kürzlich seinen Job bei einer Zeitarbeitsfirma verloren hatte und anschließend sehr deprimiert gewesen sei. Tristan van der V. verfügte über mehrere Waffenscheine, worunter auch eine Luftdruckpistole, mit welcher er sich – vermutlich aus Versehen – im Jahr 2003 ins Bein geschossen hatte. Über das Motiv des 24-Jährigen könne keine deutlichen Aussagen getätigt werden. Laut Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft sei der Abschiedsbrief von Tristan van der V. vielmehr spirituell als bedrohend gewesen.

In einer kurzen, getragenen Gedenkveranstaltung, zu der sich am Sonntagabend spontan mehrere tausend Anwohner Alphens und Angehörige der Opfer eingefunden hatten, richteten Ministerpräsident Mark Rutte und Alphens Interimsbürgermeister Bas Eenhoorn den Betroffenen ihr Mitgefühl aus: „Manche Ereignisse sind mit Worten nicht zu beschreiben. Dies ist so ein Ereignis. […] Ein Drama, welche tiefe Wunden in die Gemeinschaft Alphens schlägt. Die gesamten Niederlande sind betroffen und trauern mit Euch mit. Eine unvorstellbare Tat eines Einzelnen“, so Rutte. Der Premier überbrachte zudem auch eine Botschaft von Königin Beatrix, welche sehr intensiv mit der Bevölkerung mitfühle.

Das Einkaufszentrum „De Ridderhof“ soll weiter geschlossen bleiben, bis es von der Polizei freigegeben wird. Am heutigen Nachmittag findet zudem eine Informationsveranstaltung für die Geschäftsinhaber des Einkaufszentrums statt. Unterdessen hat Alphens Interimsbürgermeister Bas Eenhoorn heute Morgen ein Kondolenzregister eröffnet. An einem zentralen Ort in der Gemeinde Alphen aan den Rijn können Menschen nun Opfern wie Hinterbliebenen des Blutbades von Samstag  ihr Beileid bekunden.