Nachrichten September 2010

HOCHSCHULE: Nur wenig Interesse an Studiengängen „Deutsch“

Amsterdam. TM/campus.tv/Metro. 08. September 2010.

„Deutsche Sprache im Hörsaal stirbt aus“, so titelte die niederländische Gratiszeitung Metro gestern in einer Schlagzeile. Grund hierfür waren die rückläufigen Studierendenzahlen in den Studiengängen „Duitse taal en cultuur“ (dt. Deutsche Sprache und Kultur). Für die Freie Universität Amsterdam ist diese Entwicklung zudem Grund genug, den Studiengang vollständig einzustellen – hier hatte sich zuletzt lediglich ein Interessent eingeschrieben.

Der Entschluss der Freien Universität in Amsterdam, sowohl den Bachelor- als auch den Masterstudiengang „Duitse taal en letterkunde“ aus dem Programm zu nehmen, besteht bereits seit dem vergangenen Jahr. Damals wurde beschlossen, mit dem Angebot zu stoppen, da das Interesse insgesamt zu gering war. Jene Anmeldung, welche die Hochschule jetzt erreichte, kam dann auch mehr oder weniger überraschend. Zuvor hatte der dortige Studienberater Inger Groesz den wenigen Interessenten stets abgeraten, sich für das auslaufende Fach einzuschreiben. Dass aber doch eine Anmeldung für den Studiengang eingegangen war, liegt an der Tatsache, dass diese nicht persönlich, sondern über die Webseite studielink.nl getätigt wurde.

Das Bild, was sich in Amsterdam zeigt, sieht im Rest der Niederlande nicht viel anders aus. Obwohl definitive Zahlen erst im Oktober bekanntgegeben werden, kann jetzt schon bei drei der sechs Universitäten, an denen das Studienfach angeboten wird, eine Abnahme in den Anmeldungen beobachtet werden. Trotz der Rückläufe bleibt die Gesamtzahl der eingeschriebenen Studierenden auf einem stabilen – aber auch relativ geringen – Niveau. Dies liegt daran, dass man an der Universität Utrecht ab dem kommenden Semester eine Zunahme an „Deutsch“-Studenten zu verzeichnen hat. Wie der dortige Professor Ton Naaijkens gegenüber Metro sagte, sei er optimistisch, denn die 20 Studenten, die in diesem Jahr in Utrecht ihr Studium „Deutsch“ beginnen, seien „enthousiastisch“.

Dass die Zahl von 20 jedoch nicht grade hoch ist, gibt Naaijkens unverblümt zu. „Aber viel mehr verlangt der Arbeitsmarkt auch gar nicht“, so Naaijkens gegenüber Metro. Dies sieht die Studienberaterin Miralda Meulman von der Universität Groningen jedoch ganz anders. Ihrer Meinung nach sind die Anmeldezahlen viel zu niedrig, denn „Deutsch“-Absolventen werden auf dem Arbeitsmarkt – und da vor allem an den Schulen – sehr wohl gesucht. Trotzdem lasten den „Deutsch“-Studiengängen ein relativ „staubiges Image“ an. Wie Miralda Meulmann weiter ausführt, denken viele, dass nach dem Abschluss lediglich eine Karriere als Deutschlehrer in Betracht kommt. Dieses Vorurteil sei aber überhaupt nicht begründet: „Man lernt alles über die Deutsche Sprache und Kultur, aber auch über die Geschichte und Wirtschaft. Zusätzlich ist man noch akademisch geschult“, so Meulmann weiter. Dadurch, dass Deutschland der wichtigste Handelspartner der Niederlande ist, ist der Arbeitsmarkt für die Studienabgänger noch lange nicht gesättigt. Für Miralda Meulmann gibt es somit im Gegensatz zu Prof. Naaijkens eine echte Arbeitsplatzgarantie für die „Deutsch“-Studiengänge – vor allem im Bildungswesen.

Neben den jetzt auslaufenden Studiengängen an der Freien Universität Amsterdam wird „Deutsch“ noch an der Universität von Amsterdam, der Universität Groningen,  der Universität Leiden, und der Universität Nimwegen angeboten.