Nachrichten November 2010

GEDENKEN: Harry Mulisch verstorben

Amsterdam. AKS/NRC/TR/VK. 02. November 2010.

Der niederländische Schriftsteller Harry Mulisch ist am vergangenen Samstag in Amsterdam an den Folgen einer langen Krebserkrankung verstorben. Dies bestätigte Muslischs Herausgeber am Sonntag. Harry Kurt Viktor Mulisch, der 1927 in der niederländischen Stadt Haarlem geboren wurde, galt als einer der größten niederländischen Autoren der Nachkriegszeit. Neben Willem Frederik Hermans und Gerard Reve zählte er zu den „Großen Drei“ der niederländischen Literatur. Mulisch debütierte bereits 1947 mit seiner Kurzgeschichte De Kamer (dt. Die Kammer). Der große Erfolg kam aber erst 1951 mit seinem Buch Archibald Strohalm, für das er sogar mit dem seinerzeit bedeutenden Reina Prinsen Geerligsprijs ausgezeichnet wurde.

Mulisch war sehr stark von den Folgen des Zweiten Weltkrieges geprägt worden, da seine Familie wie kaum eine andere den Konflikt des Krieges wiederspiegelte. Sein Vater, Karl Victor Kurt Mulisch, stammte aus Österreich-Ungarn und emigrierte nach dem Ersten Weltkrieg in die Niederlande. Während der Besatzungszeit kollaborierte er als Mitarbeiter der Bank Lippmann, Rosenthal und Co. mit den deutschen Besatzern. Muslischs Mutter, Alice Schwartz, war eine in Antwerpen geborene Jüdin. Zwar trennten sich die Eltern bereits 1936, dennoch beschäftige der familiäre Konflikt und die Folgen des schrecklichen Krieges den Autor Zeit seines Lebens. In Mulischs Werken wird daher der Zweite Weltkrieg oftmals in der Täter-Opfer-Perspektive thematisiert – wie auch in Mulischs wohl bekanntesten Werk De aanslag (dt. Das Attentat) aus dem Jahr 1982, dessen Verfilmung sogar den Oscar für den besten ausländischen Film gewann. Das Buch handelt von der Geschichte von Anton Steenwijk, der als 12-jähriger Junge 1945 als Einziger seiner Familie eine Vergeltungsaktion der Deutschen überlebt.

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Durch den Erfolg dieses Buches stimuliert, entstand auch in anderen Ländern der Welt eine große Nachfrage nach Mulischs Werken. Ab diesem Zeitpunkt gehörte Mulisch zu den Top-Autoren in den Niederlanden, wobei sein Buch De ontdekking van de hemel (dt. Die Entdeckung des Himmels), welches er 1992 publizierte, die Krone seines umfassenden Lebenswerkes darstellte. Dieses handelt von einer intensiven Freundschaft zwischen zwei Männern, deren biographische Verzahnungen durch zwei Engel beeinflusst werden. In den 90er Jahren folgte daraufhin eine ganze Reihe an neuen Werken in einer rasenden Geschwindigkeit – bis im Jahr 2001 Mulischs letztes Werk veröffentlicht wurde: Siegfried. Dieses Buch handelt vom Sohn Adolf Hitlers und Eva Braun, den Hitler gegen Ende des Nationalsozialismus erschießen ließ. Mulisch versuchte in diesem Roman die Ursache des Bösen zu suchen.

Weltweit wird dem Tod des Autors eine große Aufmerksam zu Teil. Harry Mulisch starb im Alter von 83 Jahren. Das Begräbnis wird am kommenden Samstag in Amsterdam auf dem Friedhof Zorgvlied stattfinden. Nach Angaben des Friedhofdirektors handelt es sich um ein offenes Begräbnis, das für jeden zugänglich ist.