Nachrichten Mai 2010



RENTENALTER: Gemeinsames Konzept von Arbeitgebern und Gewerkschaften

Amsterdam. CK/dT/TR/VK. 27. Mai 2010.

Arbeitgeber und Gewerkschaften haben sich in den Niederlanden anscheinend auf ein gemeinsames Konzept zur Erhöhung des Rentenalters geeinigt, das sie noch vor den anstehenden Wahlen vorlegen wollen. Eine offizielle Bekanntgabe der Einigung wird voraussichtlich erst in der kommenden Woche erfolgen, die wichtigsten Punkte des Konzeptes erreichten jedoch bereits die niederländischen Medien. Demnach sprechen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften für eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters ab dem Jahr 2020 auf zunächst 66 Jahre aus. Alle fünf Jahre soll dann überprüft werden, ob in Anlehnung an die steigende Lebenserwartung das Rentenalter weiter erhöht werden muss. Das Konzept plädiert damit für einen sanfteren Einstieg in die Erhöhung, als es die meisten Parteien in ihren aktuellen Wahlprogrammen planen. So möchten VVD und CDA in Hinblick auf das hohe Haushaltsdefizit das Rentenalter bereits 2011 beziehungsweise 2015 erhöhen. Allein die sozialdemokratische PvdA will bislang bis 2020 warten, um den Arbeitnehmern die Möglichkeit zu geben, sich auf die längere Arbeitszeit einzustellen. Dementsprechend erfreut zeigte sich PvdA-Spitzenkandidat Job Cohen heute über den Vorschlag von Arbeitgebern und Gewerkschaften und forderte die anderen Parteien auf, diesem zu folgen.

Das Konzept sieht zudem vor, dass die Arbeitnehmer selbst wählen können, wann sie mit dem Arbeiten aufhören. Beenden sie ihre Arbeit bereits vor dem 66. Lebensjahr würde ihnen ab 2020 jedoch eine Kürzung der Rente oder der Pension um je 6,5 Prozent drohen. Eine Sonderregelung für (körperlich) besonders fordernde Berufe gibt es bislang nicht. Des Weiteren soll sich eine Erhöhung der Rente in Zukunft an den Reallöhnen und nicht wie bisher an den Tariflöhnen orientieren, was einen schnelleren Anstieg der Rentenzahlungen zur Folge haben würde.

Inwieweit dieses Konzept nach den Wahlen von der neuen Regierung übernommen wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Es wird jedoch schwierig sein, sich einem gemeinsamen Vorschlag der größten Vertreter von Arbeitnehmern und -gebern gänzlich zu entziehen.