Nachrichten Mai 2010



POLITIK: VVD-Politiker und „Brückenbauer“ Hans Dijkstal gestorben

Amsterdam. AKS/NRC/VK. 11. Mai 2010.

Der Altpolitiker der Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD) und ehemalige Vizepremier Henri Frans (Hans) Dijkstal starb am vergangenen Sonntag an den Folgen einer langjährigen Krebserkrankung. Die politische Karriere des charmanten Dijkstals begann in Wassenaar 1974. Nachdem er jahrelang als selbstständiger Finanzberater gearbeitet hatte, wurde er in jenem Jahr für die VVD Ratsmitglied in der Gemeinde Wassenaar. 1982 erfolgte der Einstieg in die nationale Politik als Mitglied der Zweiten Kammer.

Bekannt ist Dijkstal vor allem durch sein großes Engagement im Jahr 1994 für das Zustandekommen der ersten „Violetten Koalition“ – bestehend aus der sozialdemokratischen Partij van de Arbeid (PvdA), der liberalen VVD und der sozialliberalen Partei Democraten66 (D66). In der Zeit von 1994 bis 1998 bekleidete Hans Dijkstal im Rahmen dieser Kabinettsregierung nicht nur das Amt des Vizepremiers, sondern wurde auch Innenminister. Durch seinen Ehrgeiz und seine Bemühungen für die Zusammenarbeit zwischen den so unterschiedlichen Parteien, erhielt der Jazzliebhaber und passionierte Saxophonspieler den Ruf eines „Brückenbauers“.

In der Zweiten Regierungsperiode der Violetten Koalition (1998–2002) trat Hans Dijkstal als Parteivorsitzender der VVD auf. Obwohl die Sympathiebekundungen in der Bevölkerung für den humorvollen Spitzenkandidaten der liberalen Partei relativ hoch waren, gelang es Hans Dijkstal bei den Wahlen im Jahr 2002 trotz seiner breit unterstützten Kandidatur nicht, am Ende das Amt des Ministerpräsidenten zu bekleiden. Als Hauptgrund hierfür kann der Auftritt Pim Fortuyns auf der politischen Bühne gesehen werden. Dijkstal konnte beispielsweise während eines Fernsehauftrittes im Vergleich zu Pim Fortuyn nicht beim Publikum punkten. Nach dem jähen Verlust bei den Wahlen 2002, sorgte Dijkstal vor allem durch seine Aussage für Aufsehen, die Wähler seien „verwöhnte Diven“, die davon überzeugt seien, dass die Regierung sich nicht in ihr Leben einmischen dürfe, aber gleichzeitig der Regierung die Schuld an allem gebe. Nach der Niederlage zog sich Hans Dijkstal weitestgehend aus der Politik zurück, obwohl er nie aus der VVD austrat. Seine Überzeugung, dass der Populismus und Politiker wie Geert Wilders oder auch Rita Verdonk einen spaltenden Effekt auf die Gemeinschaft hätten, machte er noch Jahre nach seinem Rückzug deutlich. Zudem kritisierte er seine eigene Partei, die VVD, zu hart in der Immigrationsfrage vorzugehen.

Hans Dijkstal wurde nur 67 Jahre alt. Seine ehemalige Partei verabschiedete sich von ihrem einstigen Partei- und Fraktionsvorsitzenden mit den Worten: „Die Hauptverwaltung der VVD denkt mit großer Achtung zurück an Hans Dijkstal und seiner Bedeutung für die VVD. Sein Einsatz für Andere und sein soziales Engagement sind ein großes Vorbild“.