Nachrichten März 2010


ERINNERUNGSKULTUR: Durchgangslager Westerbork wird hergerichtet

Hooghalen. AKS/TR/NRC/VK. 26. März 2010.

Das ehemalige Polizeiliche Durchgangslager Westerbork in Hooghalen in der Provinz Drenthe soll nun für ca. 15 Millionen Euro renoviert werden. Vor allem die ehemalige Wohnung des Kommandanten sei renovierbedürftig, wie der Direktor des Erinnerungszentrum Dirk Mulder am Mittwoch erklärte. Um eine neue Nutzung für die Räumlichkeiten der Kommandantenwohnung zu finden, wurde im Vorfeld der Planungen ein Ideenwettbewerb durchgeführt. Idee der Gewinner des Wettbewerbs war es, in Zukunft eine wöchentliche Sendung des „Radio Westerbork“ zu produzieren, wodurch die Menschen ihre Geschichte und ihre Eindrücke veröffentlichen können. Die Idee stammte von einem Geschwisterpaar, dessen Vater während der Besatzungszeit im Lager gefangen gehalten wurde, jedoch bei einem Transport entkommen konnte. Zudem sollen in der Wohnung künftig Theater- und Tanzvorstellungen stattfinden.

Im Rahmen der nun stattfindenden Renovierungsarbeiten soll auch die Umgebung des Lagers wiederhergestellt werden: Das Lager, das ursprünglich als Flüchtlingslager für deutsche Juden gedacht war, lag in der Zeit des Zweiten Weltkrieges auf offenem Feld. Daher müssen nun Büsche und Bäume auf dem Gelände entfernt werden. Die ehemaligen Baracken des Lagers werden ebenfalls erneuert: Neun der Baracken werden hierfür an ihren ursprünglichen Platz befördert. Ziel der Renovierungen ist es, ein besseres Bild des damaligen Lagers zu vermitteln. „Vor allem die jüngere Generation will mehr sehen; sie ist viel visueller eingestellt als frühere“ so Mulder. Das Erinnerungszentrum selbst wird ebenfalls modernisiert und ausgebreitet. Mit einem Laptop sollen sich die Besucher in Zukunft auf einen modernern Rundgang begeben können und aus sogenannten „geluidspalen“ (dt. „Geräuschpfähle“) Geschichten von ehemaligen Gefangenen hören.

Insgesamt wurden mehr als 100.000 Menschen aus Westerbork deportiert. Auch Anne Frank war eine von ihnen. Nach ihrer Verhaftung im Versteck im Hinterhaus in Amsterdam wurde sie zusammen mit ihrer Familie ins Polizeiliche Durchgangslager Westerbork gebracht. Dort blieb sie vom 7. August 1944 bis zum 3. September 1944 in der Strafbaracke, bevor sie ins Konzentrationslager Auschwitz und Ende Oktober 1944 ins Konzentrationslager Bergen-Belsen gebracht wurde, wo sie kurz vor der Befreiung des Lagers im März 1945 an Typhus starb.