Nachrichten März 2010


ISAF: Niederländischer Rückzug aus Afghanistan schwieriger als gedacht

Den Haag/Uruzgan. TM/TR/VK. 26. März 2010.

Das durch den Fall des niederländischen Kabinetts definitiv gewordene Ende des Auslandseinsatzes in Afghanistan wird unter Umständen länger als erwartet dauern und die niederländischen Steuerzahler mehr als zunächst geplant kosten. Wie der demissionäre Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop am gestrigen Donnerstag in einem Brief an das niederländische Unterhaus erklärte, gehe man jetzt anstatt der zunächst prognostizierten 115 Millionen Euro von beinahe dem doppelten Betrag aus.

Die höheren Ausgaben ergeben sich zum einen aus den enormen Kosten für den Transport der in der afghanischen Provinz Uruzgan stationierten niederländischen Truppen und deren Material. Zudem fallen Kosten für Unterhalt und Wiederherstellung der Materialien sowie für eine neu einzusetzende militärische Einheit zur logistischen Organisation des Rückzugs an. Hierfür werden in diesem Jahr zusätzlich 800 bis 1.400 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan geschickt werden. Minister Van Middelkoop sprach von einer komplexen Operation. Sämtliche Truppenteile der Task Force Uruzgan (TFU) sollen dann Ende 2010 wieder in die Niederlande zurückkehren. Der Minister schließt aber auch nicht aus, dass Beginn 2011 noch vereinzelte Militärs des „Umzugsteams“ in Uruzgan sein werden.

In dem Gebiet rund um das so genannte „Kamp Holland“ macht sich unterdessen Unmut über den schnellen Rückzug der TFU breit. Jüngst unterzeichneten etwa 55 lokale Größen bei einer Zusammenkunft im Dorf Sarhakhlo eine Petition, worin sie das niederländische Parlament zu einem Verbleib der Truppen aufrufen. Die Petenten loben die Niederländer für den Bau und die Wiederherstellung von Wegen, Brücken, Schulen sowie Gesundheitszentren und weisen auf das starke Vertrauensverhältnis der lokalen Bevölkerung in Uruzgan hin, welches man in den letzten Jahren hat aufbauen können. Die Anwesenheit der TFU sei in ihren Augen notwendig, um den Frieden in ihrer Provinz aufrecht erhalten zu können.

Außerhalb von Uruzgan werden die Niederlande wohl auch über den August hinaus in Afghanistan noch aktiv bleiben. Die vier dort stationierten niederländischen F-16-Kampfflugzeuge sowie fünf Kampfhubschrauber des Typs Apache werden nach Ansicht Van Middelkoops sicherlich noch bis Ende 2010 im Auslandseinsatz bleiben. Sie werden dazu benötigt, um jene Truppen zu beschützen, die den Rückzug von Soldaten und Material koordinieren und durchführen. Für Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop ist es unterdessen noch immer unbegreiflich, dass die jahrelange Arbeit der niederländischen Truppen in Afghanistan durch den Fall des vierten Kabinetts von Premier Jan Peter Balkenende nicht fortgesetzt werden kann.