Nachrichten März 2010


GESUNDHEIT: Minister Klink wirbt für sein Versicherungsmodell

Berlin. TM/tagesspiegel.de. 23. März 2010.

Während hierzulande noch heftig über die Ausgestaltung einer möglichen Gesundheitsreform gestritten wird, hatten die Niederländer bereits vor vier Jahren eine große Reform verabschiedet. Am vergangenen Donnerstag war der dortige Minister für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport, Ab Klink (CDA), nun in Berlin zugast, um sich mit seinem deutschen Kollegen Philipp Rösler (FDP) zu einem Erfahrungsaustausch zu treffen. Noch am selben Tag stellte sich der niederländische Minister in einem Interview im Tagesspiegel den Fragen des Journalisten Rainer Woratschka.

Im Mittelpunkt des Gespräches standen die Erfahrungen in den Niederlanden mit der Einführung einkommensunabhängiger Pauschalen, der sogenannten Kopfpauschalen. Diese seien laut Ab Klink durchweg positiv. So hätten vor der Einführung viele Pessimisten befürchtet, dass man nach der Gesundheitsreform von 2006 eine riesige Bürokratie benötigen würde. Laut Klink ist es dazu allerdings nicht gekommen. Für ihn zählt vor allem als Erfolg, dass das System durch die Reform sozialer geworden ist. Konkret besteht im Nachbarland keine vollständige Kopfpauschale, sondern nur eine halbe: Derzufolge zahlen die Arbeitgeber in der Regel eine einkommensabhängige Prämie in die Krankenversicherung ein, während es für die andere Hälfte der Beiträge eine Kopfpauschale gibt. Denjenigen, welche den für alle Einwohner des Landes gleich hohen Betrag nicht aufbringen können, kommt der Staat entgegen und schießt einkommensabhängige Zuschüsse zu. Diesen Sozialausgleich bekommen aktuell ganze 70 Prozent aller niederländischen Haushalte. Die Verrechnung erfolgt mehr oder weniger automatisch durch die Finanzämter.

Laut Klink hat die Pauschale in seinem Land zu mehr Transparenz geführt: „Leistung wird vergleichbar, dadurch haben die Krankenkassen den Anreiz, Kosten zu senken.“ Noch ist aber auch die Reform im Nachbarland noch nicht ganz abgeschlossen: „Damit die Reform richtig wirkt, muss sich noch vieles ändern. Bisher zahlen wir beispielsweise nur Arztkontakte, Fallpauschalen in Krankenhäusern und die Aushändigung von Medikamenten. Wir bezahlen keine Qualität. Wir bezahlen auch keine integrierte Versorgung. Das zu ändern, ist unsere wichtigste Aufgabe.“ Bereits jetzt zieht Klink jedoch schon die Bilanz, dass das niederländische System nach der großen Gesundheitsreform gerechter geworden ist. Dies liegt vor allem auch in der Abschaffung des Nebeneinanders von gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Was in Deutschland aufgrund der kapitalgedeckten Finanzierung sehr schwierig würde, gestaltete sich bei den beiden umlagefinanzierten niederländischen Systemen viel einfacher. Auf die Frage, ob man Deutschland trotzdem die Abschaffung des Doppelsystems empfehlen könne, weiß Ab Klink keine eindeutige Antwort: „Das ist schwer zu sagen. Bei uns wurde das System dadurch einfacher und gerechter. Ich denke aber, Pauschalen könnten auch in einem System aus gesetzlicher und privater Versicherung funktionieren.

Das gesamte Interview können Sie hier nachlesen.