Nachrichten März 2010


PROZESS-ENDE: Lebenslange Haft für NS-Kriegsverbrecher Boere

Aachen. AKS/TR/NRC/VK. 23. März 2010.

Knapp ein halbes Jahr nach Prozessbeginn, wurde heute im Landgericht Aachen der NS-Kriegsverbrecher Heinrich Boere zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Anklage lautete, darauf die Niederländer Frits Bicknese, Teun de Groot und Frans Kusters 1944 erschossen zu haben. Im Dezember beichtete der mittlerweile 88-jährige Heinrich Boere seine Tat, betonte aber, auf Befehl gehandelt zu haben: „Als einfacher Soldat lernte ich  Befehle zu befolgen und ich wusste dass, wenn ich dies nicht täte, ich meinen Eid brechen würde und selbst erschossen werden könnte.“ Er sagte weiterhin, er habe nicht gehandelt mit der Vorstellung ein Verbrechen zu begehen.

Boere, dessen Vater Niederländer und dessen Mutter eine Deutsche war, trat 1940 der Waffen-SS bei. Er wurde Mitglied des SS-Kommandos „Silbertanne“, welches von 1943 bis 1944 mindestens 54 Morde begangen haben soll. Gedacht waren diese Morde als Vergeltungsmaßnahme: Anschläge des Widerstands auf niederländische Kollaborateure wurden mit der Ermordung von je drei anti-deutsch gesinnten Niederländern aus der Region vergolten. Bereits 1949 war Heinrich Boere für diese Morde verurteilt worden. Die angesetzte Todesstrafe wurde allerdings in eine lebenslange Haft umgewandelt. Zuvor war Boere 1947 aus einem Kriegsgefängnis nach Deutschland geflohen. Durch seine deutsche Mutter konnte Boere die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen, die ihn vor einer Auslieferung schützte (NiederlandeNet berichtete). Auch ein Versuch im Jahre 2003, Boere seine Strafe in Deutschland verbüßen zu lassen, scheiterte.

Boeres Verteidiger plädierten dafür, das Verfahren einzustellen, da Boere bereits 1947 verurteilt worden war. Im Falle einer Verurteilung forderten die Advokaten eine Gefängnisstrafe von maximal sieben Jahre. Nun, nach Verkündigung des Strafmaßes, wollen die Verteidiger in höherer Instanz in Berufung gehen.