Nachrichten Juni 2010


BILDUNG: NRW und Niederlande erleichtern grenzüberschreitenden Schulwechsel

Den Haag/Düsseldorf. TM/duitslandweb.nl/MinOCW/nrw.de. 23. Juni 2010.

Seit der vergangenen Woche ist eine weitere Bürokratiehürde überwunden – zumindest zwischen den Niederlanden und dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Denn wer zukünftig als Schüler von der einen in die andere Region umzieht, muss sich zukünftig nicht mehr einer langwierigen Prozedur unterziehen, in der festgestellt wird, in welcher Schulform und in welcher Klasse er im anderen Land weiter zur Schule gehen kann. Die beiden sehr unterschiedlichen Bildungssysteme Deutschlands und der Niederlande machten einen reibungslosen Wechsel bis jetzt eher zur Ausnahme als zur Regel.

Zur Vereinfachung trägt vor allem eine neue Äquivalenzliste bei, auf der länderspezifische Bildungsgänge mitsamt den zugehörigen Klassenstufen, Abschlüssen und Berechtigungen nebeneinandergestellt werden. Der Vergleich der Bildungsniveaus von Schülern soll somit vereinfacht und der Schulwechsel beim Umzug erleichtert werden. So steigt etwa ein niederländischer Schüler, der bislang die 4. Klasse der VWO besuchte, in Nordrhein-Westfalen entweder in der 10. Klasse des Gymnasiums oder der 11. Klasse der Gesamtschule ein. Andersherum kann eine deutsche Schülerin, die bislang die 8. Klasse einer Hauptschule in NRW besucht, im Nachbarland Niederlande direkt und ohne eine lange Entscheidungsstruktur der Behörden in die 2. Klasse der VMBO-T wechseln.

Die neue Regelung ist in einer Gemeinsamen Erklärung zur gegenseitigen Anerkennung von Bildungsabschlüssen festgelegt, welche jüngst von den beiden Bildungsstaatssekretären Günter Winands (Schulministerium NRW) und Marja van Bijsterveldt-Vliegenthart (Ministerie van Onderwijs, Cultuur en Wetenschap der Niederlande) unterzeichnet wurde. Die Erklärung basiert rechtlich auf einer Vereinbarung, welche die Regierungschefs der Benelux-Staaten und Nordrhein-Westfalens im Dezember 2008 auf dem Petersberg in Bonn getroffen haben, um die bestehenden Beziehungen zwischen der Benelux-Union und Nordrhein-Westfalen weiter zu intensivieren (NiederlandeNet berichtete).

NRW-Schulministerin Barbara Sommer zeigte sich glücklich über die neue bilaterale Vereinbarung: „Die Gemeinsame Erklärung zeigt die guten Beziehungen zu den Niederlanden. Bürokratie wird abgebaut und der Schulwechsel zwischen unseren Nachbarländern erleichtert.“ Die Vereinbarung sei laut Sommer vor allem für Familien ein Segen, die sich in den Niederlanden oder in Nordrhein-Westfalen niederlassen wollen. Für sie „wird dies zu spürbaren Erleichterungen führen“, so Sommer weiter. Und auch die niederländische Staatssekretärin Van Bijsterveldt zeigte sich erfreut: „Diese gegenseitige Zusammenarbeit bietet enorm viele Vorteile. Trotz der Europäischen Union seien die Grenzen  durch die Unterschiede in den Regelungen der verschiedenen Länder noch oft existent. Diese Vereinbarung nimmt glücklicherweise wieder eine Zahl an Bremsklötzen weg.“