Nachrichten Juni 2010


MONARCHIE: Königshaus als finanzieller Garant für die Niederlande

Den Haag. TM/depers.nl/elsevier.nl/RTL/VK. 2. Juni 2010.

Waren es zuletzt immer wieder stark negative Schlagzeilen, die das niederländische Königshaus bezüglich seiner hohen finanziellen Ausgaben machte, lässt die jüngste Einschätzung eines Tilburger Ökonomieprofessors Königin Beatrix und die gesamte königliche Familie nun aufatmen. Nach der Einschätzung von Harry van Dalen, der Monarchien mit anderen Staatsformen verglichen hatte, ist das Sozialprodukt in Monarchien im vergangenen Jahrzehnt um durchschnittlich ein Prozent mehr angewachsen als in Republiken oder Diktaturen. Jährlich würde dies für die Niederlande einen alleinigen Zugewinn von vier bis fünf Milliarden Euro bedeuten, der nur durch die Staatsform der konstitutionellen Monarchie begründet wäre.

Nach Ansicht Van Dalens zieht ein Königreich durch seine Stabilität eher ausländische Investoren an als andere Staatsformen. Zudem, so bezifferte es das niederländische Wirtschaftsministerium, bringen die Handelsdelegationen, die auf Staatsbesuchen des Königshauses mitreisen, stets um die 200 Millionen Euro pro Reise an Aufträgen mit nach Hause. In Auftrag gegeben hatte die Untersuchung der Vermögensverwalter Steven Sarphatie, der diese auch in der Anlegerzeitschrift Geld en Beleggen (dt. Geld und Anlage) publizierte. Nach seiner Meinung reizt es ausländische Investoren bei der Geldanlage in den Niederlanden, dass es sich bei dem Land um eine stabile Monarchie handelt. Königin Beatrix regiert nunmehr seit 30 Jahren, hat sich als Marke etabliert und nähert sich somit den großen niederländischen Milliardenmarken Philips und Heineken an, so Sarphatie gegenüber der Tageszeitung De Volkskrant.

Diese Ergebnisse würden die enormen Kosten, welche das Königshaus pro Jahr verursacht, mehr als wettmachen. Wie eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des ehemaligen Ministers Gerrit Zalm zuvor berichtete, kostet das Königshaus Oranien-Nassau dem niederländischen Staat jährlich rund 39 Millionen Euro und ist damit eines der teuersten Königshäuser der Welt. Diese Summe setzt sich unter anderem aus Flugkosten der Königsfamilie, Kosten für die Instandsetzung und den Unterhalt der Paläste, Investitionen für Ferienhäuser in Mozambique und Argentinien oder etwa die jüngst fertiggestellte aufwendige Renovierung der königlichen Wartesäle auf den Bahnhöfen von Amsterdam und den Haag – ohne das diese überhaupt noch von der Königsfamilie benutzt würden – zusammen.

Bei einer anderen Restaurierung hat sich Königin Beatrix hingegen nach starker Kritik dazu entschlossen, mit ihrem eigenen Vermögen selbst finanziell einzugreifen. Es handelt sich dabei um die Luxusjacht De Groene Draak, bei der die Kosten von 47.000 Euro für die wiederkehrende Renovierung zuletzt immer vom Haushalt des Verteidigungsministeriums übernommen wurden. Zwar soll dies auch in Zukunft so bleiben, außerordentliche Wartungsarbeiten in Höhe von 326.000 Euro für die kommenden zwei Jahre will die Königin jetzt aber aus der eigenen Tasche bezahlen. Die Yacht – inklusive der regelmäßigen Wartung – ist ein Geschenk des niederländischen Volks aus dem Jahr 1956, welches Beatrix zu ihrem 18. Geburtstag bekam.