Nachrichten Juli 2010


BILDUNG: Deutsche Studenten integrieren sich in den Niederlanden nicht

Maastricht. TM/DAAD/SZ/TR. 23. Juli 2010.


Für deutsche Studierende, die ihr Studium teilweise oder komplett im Ausland durchführen, sind die Niederlande als Zielland weiterhin die erste Wahl. Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) und des Hochschul-Informations-Systems (HIS) hervor. Demnach befanden sich im Jahr 2007 16.550 Studierende – und damit 18 Prozent mehr als noch 2006 – für Vorlesungen und Seminare an Fachhochschulen und Universitäten des westlichen Nachbarn. Die niederländischen Hochschulen melden für 2009 sogar 20.000 Studierende aus Deutschland. Die beliebtesten Studienrichtungen sind dabei Psychologie, Humanmedizin sowie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Als populärste Studienstandorte gelten die grenznahen Universitätsstädte Enschede, Groningen, Maastricht und Nimwegen.

Wie jetzt aus einer Studie der Universität Maastricht hervorging, sieht es mit der Integration der deutschen Studenten jedoch relativ schlecht aus. Was sich wie plumpe Vorurteile anhört, scheinen deutsche wie niederländische Studenten tatsächlich tagtäglich zu erleben: Die deutschen Kommilitonen gelten demnach als Streber, die sich gerne bei den Dozenten über ihre Noten beschweren und sich fast ausschließlich auf ihr Studium konzentrieren. Die niederländischen Studierenden hingegen gelten bei den Deutschen als faul, da sie viel feiern und sich nur wenig um ihr Studium kümmern. Die Folge der gegenseitigen Wahrnehmung ist eine national geprägte Gruppenbildung – Deutsche und Niederländer vermeiden es somit lieber, in Arbeitsgruppen miteinander zu arbeiten. Dies wird allgemein als Problem angesehen, da das heutige Bildungswesen stark auf Zusammenarbeit und gemeinsamen Überlegungen basiert. Und dies ist nur schwer möglich, wenn sich jeder in seiner Muttersprache unterhält.

Einige Hochschulen haben deshalb auch bereits reagiert und wie die Fachhochschule Saxion in Enschede eine Quote von maximal 15 Prozent eingeführt. Mehr Deutsche möchte man lieber nicht haben. „Wir müssen noch lernen, mit großen Studentengruppen aus dem Ausland umzugehen“, so Wim Slingerland, Direktor der Akademie „Mens & Maatschappij“ gegenüber der Tageszeitung Trouw. An Slingerlands Institut selbst stammt die Hälfte der rund tausend Studenten aus Deutschland. Und dies führt regelmäßig zu Problemen im gemeinsamen Umgang: „Niederländische Studenten ärgern sich über die Sprachbeherrschung der deutschen Kommilitonen. Trotz eines Sprachkurses erreichen diese nie dasselbe Niveau wie die einheimischen Studenten.“ Noch schwieriger ist die Segregation von Deutschen und Niederländischen Studenten für jene Studierende, die aus keinem der beiden Länder kommen. Diese müssten sich, so Rob van Ouwerkerk von der Universität Groningen gegenüber Trouw, in den Niederlanden doppelt integrieren: „Einmal bei den Niederländern und einmal bei den Deutschen“.