Nachrichten Juli 2010

GEDENKEN: Der „König der Kolumnisten“ Jan Blokker verstorben

Amsterdam. AKS/VK/TR/NRC. 7. Juli 2010.


Der Journalist und Rezensent Jan Blokker ist am gestrigen Dienstag im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Amsterdam verstorben. Der 1927 geborene Jan Andries Blokker war nicht nur Kunst- (Het Parool, 1952-1954) und Filmredakteur (Algemeen Handelsblad, 1954-1968),  Herausgeber bei der öffentlich rechtlichen Rundfunkgesellschaft (VPRO, televisie, 1968-1978) sowie Vorsitzender des niederländischen Filmfonds (1983-1993), sondern auch als Dozent an der Erasmus Universität Rotterdam tätig. Bekannt ist der „große Observator“, wie Autor Harry Mulisch seinen langjährigen Freund Blokker beschrieb, vor allem aber für seinen Einfluss auf den niederländischen Journalismus. Diesen prägte er insbesondere während seiner Zeit bei der niederländischen Tageszeitung „De Volkskrant“.

Ab 1968 bis zum Jahr 2006 veröffentlichte Blokker, der in einem toleranten und liberalen Klima ausgewachsen war, hier zwei- bis dreimal wöchentlich seine Kolumne. Für seine scharfen und satirischen Äußerungen, die immer ein gewisses Misstrauen gegenüber Autoritäten zeigte, war er weitgehend bekannt. Auch in seinen Büchern „Ben ik eigenlijk wel links genoeg?“ (1974, dt. Bin ich eigentlich links genug?), „Kijk uit, achter je“ (1975, dt. Pass auf, hinter dir) und „Mij hebben ze niet“ (1980, dt. Mich haben sie nicht) kommt seine kritische Haltung zum Tragen.

Trotz der Diagnose von Lungenkrebs im Jahr 2003 schrieb der bis dahin starke Kettenraucher weiter für die Volkskrant – bis zum Jahr 2006, als es zum Bruch mit der Zeitung kam. Uneinigkeiten mit der Redaktion führten nach 38 Jahren zu seinem Weggang. Der Autor fühlte sich nicht mehr gewollt und „nahm mit schmerzendem Herzen Abschied von einer spannenden wie kapriziösen Zeitung“, wie er in seiner letzten Kolumne schrieb.  Von da an publizierte Blokker für das Konkurrenzblatt „nrc.next“. Nach Ansicht des Chefredakteurs von nrc.next, Sjoerd de Jong, sei Blokker einer der Wenigen gewesen, die über alles schreiben konnte.

In seinen Texten äußerte sich Jan Andries Blokker zu aktuellen Themen, die er gerne mit seiner Leidenschaft zur Literatur und Geschichte verband. Obwohl er sein Studium der Geschichte und der Niederlandistik nie abschloss, war er davon überzeugt: „Um Deutschland begreifen zu können, muss man Bismarck kennen. Um Mittel-Europa zu verstehen, muss man dieses durchreisen, bis die Turmspitzen sich in Zwiebeltürme verändern.“  Zu diesem Credo passt auch, dass er zusammen mit seinen beiden Söhnen drei Bücher über vaterländische wie auch biblische Geschichte verfasste.

Im Laufe der Jahre gewann der vierfache Familienvater eine Vielzahl an Preisen und Auszeichnungen. Unter anderem erhielt er einen Ehrendoktortitel der Universität Groningen, bekam den Preis für das beste Kinderbuch für „Op zoek naar een oom“ (1961, dt. Auf der Suche nach einem Onkel) und wurde zum Ritter von Oranje ernannt.

Jan Blokkers letzte Kolumne erschien erst am Montag, worin er sich mit  der aktuellen politischen Situation in den Niederlanden auseinandersetzte. Natürlich ganz in seinem eigenen Stil – mit einem historischen Vergleich zwischen einem möglichen Kabinett unter Beteiligung des Rechtspopulisten Geert Wilders und der Erinnerung an das Ende der Weimarer Republik.