Nachrichten JuLi 2010

BANKENPLEITE: DSB-Bank hätte Zulassung nie bekommen dürfen

Den Haag. TM/VK/NRC. 2. Juli 2010.

Mehr als ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Insolvenz des niederländischen DSB-Bankhauses im vergangenen Jahr (NiederlandeNet berichtete) hat eine unabhängige Untersuchungskommission jetzt ihren Bericht über die Situation der Bank des prominenten Sportförderers Dirk Scheringa präsentiert. Demnach gilt die inkompetente Leitung der Bank als wichtigste Ursache des Scheiterns. Aufsichtsratsvorsitzender und Großanteilseigner Scheringa verfügte, so das Ergebnis der Scheltema-Kommission, nicht über das notwendige Wissen, um als Bankier auftreten zu können. Für die insgesamt rund 400.000 Sparer und 1.700 Beschäftigte zählende Privatbank DSB, die bis zu ihrem Untergang zu einem gewissen Teil auch in Deutschland operierte, gab es Ende Oktober 2009 keine Hoffnung mehr, nachdem viele Kunden einer Empfehlung folgten und massenweise Geld – insgesamt mehr als 600 Millionen Euro – abhoben. Der endgültige Bankrott von DSB wurde von einem Gericht in Amsterdam schließlich am 19. Oktober 2009 verkündet.

Aus dem Bericht der Scheltema-Kommission geht nun hervor, dass es in der DSB-Führung an den nötigen „checks & balances“ fehlte. Dirk Schringa und seine rechte Hand Hans van Goor leiteten die Bank fast vollständig alleine: „Beschlüsse wurden auf informelle Art und außerhalb des Aufsichtsrates getätigt“, so die Kommission. Wenn verhandelt wurde, wurden nur in den seltensten Fällen Aufzeichnungen und Protokolle angefertigt. Bei der Vergabe der Bankenkonzession im Jahr 2005 habe es bei der Leitung der DSB-Bank kein ausreichendes Wissen über Balance- und Risikomanagement gegeben: „Scheringa und Van Goor hatten vor allem Qualitäten als Unternehmer, Manager und Verkäufer“. Das Fazit der Kommission fällt aber nicht nur für die DSB und ihren Aufsichtsratsvorsitzenden selber verehrend  aus. Auch die Zentralbank der Niederlande, De Nederlandsche Bank (DNB), wurde stark kritisiert: Die Konzessionsvergabe für die DSB im Jahr 2005, so konkludierte es der Kommissionsvorsitzende Prof. Michiel Scheltema, enthielt so eigentlich viel zu viele Risiken: „Die Vorgaben der Gesetze waren nur unvollständig erfüllt: Die DNB hat bei diesen Punkten mehr verlangen müssen. Vor der Vergabe einer Konzession hätten noch viele Verbesserungen durchgeführt werden müssen.“

Durch die Beanstandungen an der Vergabepraxis der Nationalbank ist nun auch deren Präsident Nout Wellink in die Kritik geraten. In einer Debatte vor der Zweiten Kammer musste Wellink sich am gestrigen Donnerstag verteidigen. Mehrere Fraktionen – darunter die von GroenLinks, SP und PVV – verlangten sogar, dass der Nationalbankpräsident seinen Platz räumen müsse, da der Abschlussbericht der Scheltema-Kommission für die DNB „vernichtend“ ausfiel. Der D66-Abgeordnete Wouter Koolmees forderte einen „neuen, frischen Start“ an der Spitze der Nationalbank. Soweit kommt es jedoch vorerst nicht. Wellink bekommt zunächst noch etwas Zeit eingeräumt: Bis August soll Nout Wellink einen Zeitplan über die nun einzuleitenden weiteren Schritte erarbeiten und präsentieren. Mitte August wird das Parlament erneut zusammenkommen und über den Bericht von Wellink debattieren.