Nachrichten Januar 2010


BUCHVORSTELLUNG: „Deutsche unter Niederländern“

Münster. Jok. 28. Januar 2010.

Die unmittelbaren Erfahrungen und Begegnungen von deutschen Einwanderern in den Niederlanden stehen in Ad Vaessens Büchlein „Deutsche unter Niederländern“ im Mittelpunkt. Vaessen arbeitete und wohnte selber lange Jahre als Deutschlandskorrespondent für das Algemeen Dagblad in Bonn und Berlin und hat anhand von zahlreichen Interviews die positiven als auch negativen Erfahrung deutscher Migranten in den Niederlanden zusammengetragen. Was dabei alles zur Sprache gekommen sei sowie auch das Potential an Geschichten und Erlebnissen - durch Fotos, Anekdoten und sehr persönliche Erfahrungen erweitert – habe ihm gezeigt, so Vaessen auf der bis auf den letzten Stuhl besetzten Buchvorstellung im Haus der Niederlande, dass es auf diesem Gebiet noch einiges zu erforschen gebe, und er habe „den Unbekannten endlich ein Gesicht geben“ wollen. Wie wurden und werden Deutsche also in den Niederlanden aufgenommen? Zwischen „hartelijk“ (herzlich) und „hatelijk“ (hassenswert), so Vaessen, macht in den Niederlanden nur ein kleiner Buchstabe den Unterschied…

Anhand von 18 Porträts hat Vaessen einem Querschnitt deutscher EinwanderInnen die Möglichkeit gegeben, ihre ganz persönliche Geschichte zu erzählen. Er beschreibt dabei vorsichtig und einfühlsam die Vielfältigkeit der Erfahrungen, die kleinen und zum Teil feinen zwischenmenschlichen Sticheleien, aber auch positive Begegnungen und interessante, verbindende Kulturunterschiede. Vaessen bemerkt, dass bei den Interviews oftmals sehr emotional reagiert worden sei: zum Teil „unter Tränen“ und mit „roten Ohren“ erzählten seine Interviewpartner ihre Erlebnisse. So berichtet er von einer jungen deutschen Schülerin in einem Den Haager Tennisclub, die aufgrund ihrer Initialen - A.H.- mit Frau Hitler angesprochen wurde, oder zerkratzen Autos mit deutschem Nummernschild, aber auch einem deutschen Facharzt, der den angenehmen und unkomplizierten Umgang in niederländischen Krankhäusern lobt, sowie den Höhen und Tiefen der Liebesbeziehungen zwischen deutschen und niederländischen Ehepartnern, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in die Niederlande auswanderten. Er führte auch Gespräche mit unterschiedlichen bekannten Persönlichkeiten, wie Udo Jürgens oder Klaus Kinkel, dem niederländischen Kultur- und Wissenschaftsminister Ronald Plasterk und dem niederländischen Justizminister Ernst Hirsch Ballin, oder dem ehemaligen Botschafter in Den Haag, Otto von der Gablentz, und lässt sie ihre besondere deutsch-niederländische Geschichte erzählen. Das Ergebnis ist ein Buch, das die individuell-vielfältigen Dimensionen bilateraler und zwischenmenschlicher Beziehungen und das besondere Nachbarschaftsverhältnis zwischen Deutschen und Niederländern seit 1945 widerspiegelt.

Im Anschluss an die Buchpräsentation berichtete der Pressereferent der deutschen Botschaft in Den Haag, Philip Schönbrunn-Knappmann, vor allem über die aktuelle Diskussion in den Niederlanden über die Beteiligung deutscher Repräsentanten an den Feierlichkeiten zum nationalen niederländischen Toten-Gedenktag am 4. Mai in Amsterdam (NiederlandeNet berichtete). Schönbrunn-Knappmann machte deutlich, dass die in den Niederlanden inzwischen seit Dezember 2009 viel diskutierte Debatte vor allem auf einem Missverständnis basiere: Der deutsche Botschafter Thomas Läufer habe an die Organisation des Gedenktages (Comité 4 en 5) keine Anfrage zur Teilnahme gestellt und sei dementsprechend auch nicht ausgeladen worden. Der deutsche Botschafter sei vielmehr von einem ihn seit längerer Zeit begleitenden Journalisten befragt worden, wie er reagieren würde, wenn er eine Einladung erhielte. Läufer habe geantwortet, dass er sich freuen und annehmen würde, denn die Teilnahme wäre ein letzter Schritt auf dem Weg der Versöhnung. In niederländischen Medien wurden nur Teile dieses Interviews ausgestrahlt, die den Eindruck vermittelt hätten, so Schönbrunn-Knappman weiter, dass der deutsche Botschafter auf der nationalen Gedenkfeier explizit nicht erwünscht sei. Er betonte, dass sich die deutsche Botschaft aus der anschließenden, zum Teil sehr emotional geführten Debatte um die Teilnahme deutscher Vertreter heraushalte, da die Entscheidung bzw. das weitere Vorgehen eine rein nationale Angelegenheit sei, die die deutsche Botschaft in jedem Fall respektiere. Die sehr intensiven und guten deutsch-niederländischen Beziehungen würden auch nicht ansatzweise in Frage gestellt werden.

Vaessen, Ad: Deutsche unter Niederländern. Erfahrungen in der neuen Heimat, Münster 2009. Erschienen im Agenda Verlag, ISBN 978-3-89688-369-8, 19,80 €.